[Kurz gesagt…] Apfelrosenzeit von Anneke Mohn

978-3-499-26894-6

 

Titel: Apfelrosenzeit
AutorIn: Anneke Mohn
Verlag: rororo
Erscheinungsdatum: 19. Dezember 2014
ISBN: 978-3-499-26894-6
Format: Taschenbuch (320 Seiten)
Preis: 9,99€

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Leseprobe

 

 

Worum geht's

Vier Freundinnen. Ein Haus. Und ein Wochenende, das alles verändert.
Das Haus mit den Apfelrosenhecken steckt voller Erinnerungen: Hier haben Sanne, Fritzi, Mona und Kirsten zu Studienzeiten in einer WG gelebt. 15 Jahre später treffen sich die Freundinnen wieder vor dem Haus an der Kieler Förde. Um es zu entrümpeln – denn es steht leer, seit Isa, die fünfte im Bunde, bei einem Autounfall starb. Sofort ist die alte Vertrautheit wieder da: Tagsüber wird ausgeräumt, abends bei Rotwein über das Leben geredet. Doch jede der Frauen hat Geheimnisse, die sie lieber nicht erzählt. Als an einem kalten Dezembertag die Heizung ausfällt und sich die Freundinnen um den warmen Ofen versammeln, kommt es zum Eklat. Und nichts ist mehr, wie es einmal war. (Quelle)

Lesegrund

Anna, eine Freundin von mir, drückte mir das Buch vor Mooonaten mal mit dem Satz: “Hier, lies mal. Ich hab’s an einem Tag verschlungen, liest sich echt gut.” in die Hand und lieh mir das Buch aus. Leider musste das Buch diverse Monate bei mir im Bücherregal warten, bevor ich es in die Hand genommen habe, da ständig Rezensionsexemplare “dazwischen gekommen” sind.

Charaktere

Sanne, Mona, Fritzi und Kirsten – alles unterschiedliche Charaktere, die gut gezeichnet wurden. Sie sind nicht zu flach beschrieben worden, aber sehr viel Tiefe besitzen sie auch nicht. Ein gutes Mittelding würde ich behaupten. Ich mochte alle vier, auf ihre eigene Art und Weise. Auch die “Nebendarsteller” waren mir sympathisch und ich konnte mir allesamt sehr gut bildlich vorstellen. Besonders Micha, Sannes Reitlehrer und Schmetterlinge-im-Bauch-Verursacher hatte es mir angetan. Ihn fand ich am detailliertesten gezeichnet.
Schön fand ich auch die Entwicklung, die die einzelnen Charaktere durchgemacht haben. Ich mag es grundsätzlich sehr, wenn ich in Büchern Entwicklungen deutlich wahrnehme und nicht mit großem Wohlwollen etwas erahnen muss.

Schreibstil

Hier gibt’s nicht viel zu sagen. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und leicht zu lesen. “Apfelrosenzeit” ist daher ein prima Buch für Zwischendurch. Man muss sich nicht großartig anstrengen beim Lesen, das Buch ist aber auch nicht plump oder anspruchslos geschrieben.

Was war doof

Eigentlich gibt es tatsächlich nur eine Sache, die ich wirklich doof fand. Und zwar wird mal eben, am Rande eingestreut, dass es sein könnte, dass Isa gar keinen normalen Autounfall hatte, sondern sich eventuell das Leben genommen haben könnte. Sanne findet Anti-Depressiva im Badezimmerschrank und zieht ihre Schlüsse…
Also…zum Einen ist nicht jeder gleich selbstmordgefährdet, nur weil er ein Anti-Depressivum schlucken muss und zweitens fand ich es unnötig diesen Mini-Strang in die Geschichte einzuflechten. Es hat nichts zur Sache beigetragen und weiter verfolgt wurde er auch nicht. Ich finde aber gerade dieses Thema wichtig genug und nicht so trivial, das man es einfach so nebenbei erwähnt und sich dann nicht mehr darum kümmert. Das hätte hier besser gelöst werden können.

Fazit

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und war jedes Mal Teil der Geschichte, wenn ich angefangen habe zu lesen. Teilweise konnte ich nur wenige Seiten am Stück lesen, weil sich unsere kleine Maus dann bemerkbar gemacht hat. Glücklicherweise habe ich aber nie lange gebraucht, um wieder in die Geschichte zu finden, was gerade beim Lesen mit einem Säugling ein großer Pluspunkt ist.
Wer also nach einem leichten Buch für Zwischendurch auf der Suche ist, der sollte sich ruhig “Apfelrosenzeit” mal anschauen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.

[Rezension] Mirror von Karl Olsberg

9783746632346

Titel: Mirror
AutorIn: Karl Olsberg
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Erscheinungsdatum: August 2016
ISBN: 978-3-7466-3234-6
Format: Broschur (400 Seiten)
Preis: 12,99€

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Leseprobe

Worum geht’s?

Wie digitale Spiegelbilder wissen Mirrors stets, was ihre Besitzer wollen, fühlen, brauchen. Sie steuern subtil das Verhalten der Menschen und sorgen dafür, dass jeder sich wohlfühlt. Als die Journalistin Freya bemerkt, dass sich ihr Mirror merkwürdig verhält, beginnt sie sich zu fragen, welche Macht diese Geräte haben. Dann lernt sie den autistischen Andy kennen und entdeckt, dass sich die Mirrors immer mehr in das Leben ihrer Besitzer einmischen – auch gegen deren Willen. Als sie mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit geht, hat das unabsehbare Folgen… (Quelle)

Meine Meinung

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen schon seit längerem, dass Olsberg an Mirror arbeitete. Zunächst als eine Art Reboot des Buches “Das System” geplant, stellte sich schnell heraus, dass auf Grundlage der technologischen Weiterentwicklung ein einfaches Update des zehn Jahre alten Debutwerkes von Karl Olsberg nicht genügen würde. Etwas Neues musste her. Und so war Mirror geboren. Keine Frage: Ich war schon ganz aufgeregt, als der Aufbau Verlag ein Prequel zu Mirror – Mirror Welt – ankündigte und inklusive einer Leseprobe kostenlos veröffentlichte. Das hier als Ebook erhältliche Prequel soll einem den Mund wässrig machen, was zumindest bei mir geklappt hat! Schnell wird klar, dass Olsberg mit verschiedenen Handlungssträngen spielt, die für sich genommen zunächst einmal kaum etwas miteinander zu tun zu haben scheinen. Bis auf natürlich, dass alle Charaktere über Mirror verfügen. Der Klappentext eröffnet dem Leser bereits, was diese Mirror tun: Sie wissen, was ihre Besitzer wollen, fühlen, brauchen… naja, und kommentieren somit fleißig deren Handlungen. Bis hin zu Empfehlungen, wie man sich in bestimmten Situation optimal verhalten sollte, was passende Antworten auf Fragen wären oder ob sich der Besitzer eventuell in Gefahr befindet. Klingt zu schön, um wahr zu sein, oder? Und genau so wirken auch die ersten Kapitel. Trotz häufiger Fachbegriffe aus dem Bereich der IT im Allgemeinen wie auch der Künstlichen Intelligenz (KI) im Speziellen, bedient sich Olsberg einer in Summe eher einfachen Sprache. Insgesamt wirkt Mirror auf mich mehr wie ein Jugendbuch. Dieses Gefühl wird durch zwei Charaktere verstärkt, die zwar bereits volljährig sind, die aber aus Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehe, eher wie Jugendliche gezeichnet werden. Liebesgeschichte inklusive. An dieser Stelle muss ich auch leider Kritik üben: Die Funktionsweise des Mirrors, insbesondere in diesem Handlungsstrang der Geschichte, wirkt auf mich genauso unrealistisch wie die Charakterentwicklung, die die beiden durchmachen. Das sollte aber jeder für sich selbst entscheiden; vielleicht sehe ich das zu eng.

Im Vergleich zu “Das System” wirkt Mirror sowieso in Summe zu flach auf mich. Die Handlung rast förmlich. Verschiedene Pfade brechen mitten im Geschehen ab und werden nicht wieder aufgenommen und das, was die Mirrors antreibt, evolviert in Null Komma Nix zu etwas, das in gleichem Maße übermäßig intelligent und selbst erhaltend wirken soll, während es auf der anderen Seite mitunter leider aber auch ins Lächerliche abdriftet. Auch hier zeigt sich der Charakter eines Jugendbuches: Wenig Erklärung, einfach hinnehmen, ist halt so. Na gut. Wer meine bisherigen Rezensionen zu Olsbergs Büchern gelesen hat – und auch das Interview mit ihm – weiß, dass ich ein glühender Verfechter seiner Werke bin. Aber Mirror hat mich leider nicht überzeugt. Bis knapp zur Hälfte entwickelt sich noch ein gewisser Spannungsbogen, danach fällt dieser schnell ab. Ich erkenne hier viel verschenktes Potential. Das was “Das System” vor über zehn Jahren nahezu realistisch wirken ließ, funktioniert in Mirror irgendwie überhaupt nicht. Das Aberwitzige daran: Fast alle Technologien und Produkte aus dem Buch existieren schon so oder so ähnlich, bzw. die Grundlagen dafür sind bereits geschaffen. Insofern ist es eher die Verknüpfung, die Olsberg hier zieht, die aus der Gesamtheit eine eher durchschnittliche Geschichte macht.

Fazit

Wer denkt, dass die vielen Vergleiche zu “Das System” unangebracht sind, mag damit nicht ganz Unrecht haben. Allerdings gibt es im Buch selbst an verschiedenen Stellen immerhin noch Referenzen zu Olsbergs Debutroman. Von daher muss ich im Fazit leider erklären, dass sich meine Erwartung nicht erfüllt hat. Während nach “Das System” sich mit Romanen wie “Der Duft”, “Schwarzer Regen”, “Delete” und “Enter” (um einige Beispiele zu nennen) gezeigt hat, wie sich der Autor weiterentwickelt hat und immer komplexere Handlungen zu wahren Pageturnern verwandelte, wirkt Mirror auf mich wie ein Schritt zurück. Dabei fallen zwei Dinge auf: Erstens hat Olsberg seit 2012 in Summe zehn Minecraft-Romane geschrieben. Ich nehme an, dass hier der sprachliche Stil abgefärbt hat. Und zweitens: Olsberg recycled. Mindestens einer der Charaktere aus Mirror kommt mir sehr bekannt vor und auch die virtuelle Welt World of Wizardry – bekannt aus “Delete” und “Enter” ist wieder mit dabei. Im Prinzip finde ich das gut, aber ich empfand es nicht als konsequent genug. Unterm Strich betrachtet war ich dieses Mal augenscheinlich nicht die richtige Zielgruppe. Ich hätte mehr erwartet. Von daher erschließt sich mir Mirror eher als zeitgemäßer, aber etwas weich gekochter Techno-Thriller im Jugendbuchstil. Das Buch rüttelt ein wenig wach in seiner Mission über die potentiellen Risiken einer de-facto Überwachung durch Konzerne wie Google, Amazon, Microsoft & Co aufzuklären, schafft es meiner Meinung nach aber nicht, die Konsequenzen unserer freiwilligen Aufgabe der eigenen Datenhoheit authentisch zu vermitteln. Falls das das Ziel war, werte ich es als verfehlt. Falls die reine Unterhaltung im Vordergrund stand, wird sich die richtige Zielgruppe angesprochen fühlen und Spaß mit Mirror haben. Ich kann dem Roman aber leider nicht mehr als 3 von 5 Sternen geben und erhoffe mir in Zukunft eher eine Fortsetzung der SEGI-Reihe.

Randbemerkung

Mirror ist übrigens auch das erste Buch, das offiziell von der App papego unterstützt wird. Das Unternehmen Briends, das in Hamburg ansässig ist und dem Alter Ego von Olsberg – Karl –Ludwig von Wendt – gehört, hat diese App entwickelt, um es Lesern möglichst einfach zu machen, immer und überall komfortabel Bücher lesen zu können. Wenn man das kuschelige Kaminzimmer und das dicke Taschenbuch hinter sich lassen muss, genügt es, mit dieser App (unterstützt werden iPhone und Android) die aktuelle Seite abzufotografieren und schon kann man das Buch auf seinem Smartphone auch mobil weiterlesen. Dazu wird ein Teil des Buches heruntergeladen und über die App verfügbar gemacht. Briends arbeitet mit dem Aufbau Verlag daran, dieses Konzept auszubauen.

[Montagsfrage] Wie kommst du mit einem offenen Ende oder einem Cliffhanger klar?

Hier geht’s zur Montagsfrage bei Buchfresserchen.

Oh, wie lange ist es her, dass ich bei einer Montagsfrage mitgemacht habe? Gefühlte Ewigkeiten und doch ist es gar nicht so lange her. Unser kleiner Sonnenschein ist jetzt 8 Wochen alt und Papa versucht sie gerade zu einem Mittagsschlaf zu überreden, weil sie hundemüde ist, aber von jedem kleinen Geräusch wach wird. Während die beiden also gerade beschäftigt sind, nehme ich mir frecherweise mal die Zeit für diesen Blogpost. Zwinkerndes Smiley

Zur Montagsfrage: Grundsätzlich komme ich mit einem offenen Ende oder einem Cliffhanger ganz gut klar. Beides muss aber stimmig sein und zur Geschichte passen. Mir muss nicht zwangsläufig immer alles vorgekaut und erläutert werden, ich bin gut in der Lage meine eigene Fantasie spielen zu lassen und ein offenes Ende mit meinen eigenen Gedanken zu ende spinnen. Doch dafür muss es zur Geschichte passen. So wie beispielsweise bei “Eleanor & Park”. Da fand ich das offene Ende perfekt und alles andere hätte die Geschichte ruiniert.
Es gibt aber auch offene Enden, die gewollt, aber nicht gekonnt sind. Ein Beispiel habe ich dafür jetzt nicht, aber solche Enden stören mich und lassen mich unbefriedigt zurück. Solche Enden können auch mein Gesamtempfinden zum Buch maßgeblich beeinflussen.

Cliffhanger finde ich häufig doof, aber nur in dem Moment, wenn ich das Buch beendet habe und der nächste Teil noch über ein Jahr auf sich warten lässt. Dann hänge ich der Geschichte noch ein paar Tage hinterher und ärgere mich ein bisschen, aber danach ist alles wieder gut und ich fange an mich auf den nächsten Teil zu freuen. Nach einiger Zeit vergesse ich dann aber den Cliffhanger und das Buch gerät etwas in Vergessenheit. Deswegen finde ich Cliffhanger weniger sinnvoll bei Reihen, die ewig auseinanderliegen.
Ich finde aber auch, dass ein gutes Buch mit einer spannenden Geschichte kein Cliffhanger braucht, damit man sich den nächsten Teil kauft. Häufig wirken zu krasse Cliffhanger wie der Zwang des Autoren das nächste Buch auch zu kaufen und das stört mich. Sicherlich ist das (fast) immer die Intention dahinter, aber ich muss es als Leser nicht dem Zaunpfahl an den Kopf gedonnert bekommen.

Wie steht ihr zu offenen Enden und Cliffhangern? Lieber alles Fragen beantwortet oder Raum für eigene Fantasie?

[Auslosung] Gewinnspiel: Für Groß und Klein

Zunächst einmal vielen Dank an alle Teilnehmer! Leider sind es nicht allzu viele geworden, was ich sehr schade finde, denn die Bücher sind beide ganz toll. Aber so standen die Chancen für alle sehr gut und die Auslosung ging sehr fix.
Dieses Mal habe ich die Fruit Machine und Christian, der ansonsten immer die Losfee spielt, hat unsere kleine Tochter währenddessen betüdelt. Zwinkerndes Smiley

Ich möchte gar nicht lange um den heißen Brei reden. Hier sind die Gewinner:

Gewinnering Der Königsberg-Plan

tarlucy

Gewinnerin Lilly und Anton

Barbara

Herzlichen Glückwunsch ihr beiden!

Ich werde euch in den nächsten Tagen eine Mail schreiben oder wenn ihr das hier vorher lest, dann schreibt mir doch bitte über’s Kontaktformular oder per Mail eure Adresse. Ich bringe die Bücher dann so schnell es geht zur Post.

[Rezension] Der Königsberg-Plan von Alexander Weiss

Titel: Der Königsberg-Plan
AutorIn: Alexander Weiss
Verlag: Divan
Erscheinungsdatum: Mai 2016
ISBN: 978-3-86327-035-3
Format: Taschenbuch (400 Seiten)
Preis: 12,90€

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Worum geht’s?

Berlin, Gegenwart. Ein mysteriöser Todesfall und ein geheimer Auftrag der Bundeskanzlerin verändern das Leben des Kunstrechtsexperten Benjamin Parker auf dramatische Weise: Gemeinsam mit der Journalistin Zoé Velázquez muss er um jeden Preis herausfinden, was damals in Königsberg geschah. So stößt er auf einen Komplott, der Deutschland in den Grundfesten erschüttert. Eine mörderische Jagd beginnt – und als Parker sich in einem bretonischen Chateau der Wahrheit nahe wähnt, kommt ein fürchterlicher Zweifel in ihm auf: War es ein Fehler, der Kanzlerin zu vertrauen?

Meine Meinung

Bevor ich zu meiner Meinung zum eigentlichen Buch komme, möchte ich noch etwas anderes ansprechen: Der Klappentext zu “Der Königsberg-Plan” spricht nämlich davon, der Roman sei “Erschreckend realistisch, perfekt recherchiert und atemlos erzählt.”. Natürlich dient dieser Eyecatcher dazu, die richtige Stimmung aufzubauen und soviel sei vorweg genommen: Atemlos passt – wenn auch nicht auf das gesamte Buch. Aber was soll ich mit “perfekt recherchiert” anfangen? Ich verrate an dieser Stelle nicht, worin dieser geheime Auftrag besteht, die Sache ist aber die: Das Thema an sich gibt es auch außerhalb der Fiktion. Und das Buch enthält ebenfalls unfassbar viele historische Details. Nur fällt es mir bei derartigen Romanen immer schwer zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Insbesondere dieses Buch hat mir viele “Ach was!” und “Echt jetzt?!” Momente beschert und ich kann dazu nur folgendes sagen: Im Anschluss an dieses Buch werde ich eine Zeit lang damit beschäftigt sein auf ZDF Info Dokumentationen zu sehen, Wikipedia Artikel zu lesen und das ein oder andere Geschichtsbuch zu wälzen. Denn wenn ich eines nicht mag, dann, andere zu fragen: “Wusstest Du eigentlich, dass der BND in Wirklichkeit….” und als Antwort zu bekommen: “Das glaubst Du echt? Kann es sein, dass Du hier einen Roman mit einem Geschichtsbuch verwechselst?”.

Genug geschwafelt. Aber man merkt diesen Gedanken bereits an, dass mich das Buch gepackt hat. Und das hat es wirklich. Es ist rasant geschrieben und geprägt von den Erlebnissen zweier Protagonisten, die auf ungewöhnliche Weise zueinander finden. Benjamin Parker wird als Kunstrechtsexperte in den Sog einer haarsträubenden Verschwörung gezogen (von niemand geringerem als der Bundeskanzlerin selbst) und Zoé Velázquez wittert auf der einen Seite als Journalistin zwar eine Pulitzerpreis verdächtige Story (auch wenn das so nie erwähnt wird), folgt Benjamin aber tatsächlich aus ganz anderen Interessen und ist zudem aus Gründen in die Geschichte involviert, die erst nach und nach an die Oberfläche kommen. Der Weg der beiden führt durch ganz Deutschland und ist mitunter durchsetzt von intensiven und ausschweifenden Diskussionen über die deutsche Vergangenheit. Diese waren es auch zunächst, die mich zur Mitte des Buches haben durchhängen lassen. Nicht falsch verstehen: Der Lesefluss ist unglaublich! Die Sprache ist toll, der Stil intelligent und fordernd, das Tempo kann ich wirklich nur als rasant beschreiben. Trotzdem wurden mir die historischen Abrisse zur Mitte hin zu detailliert. Für einen Roman hat mich dieser Teil zu sehr an die Zeit erinnert, in der ich mich auf mein mündliches Geschichts-Abi vorbereitet habe.

Trotzdem ist es auch gerade dieser Teil, der Dinge offenbart, die möglicherweise allgemein bekannt sind, aber bei mir schändlicherweise noch nicht angekommen waren. Sind sie nun perfekt recherchiert oder Teil der Fiktion? In Anbetracht der Brisanz dessen muss ich ersteres annehmen, denn ansonsten würde ich als Autor solche Texte nicht veröffentlichen. Vielleicht übertreibe ich auch, das muss jeder selbst für sich entscheiden. Der Spannungsbogen leidet definitiv nicht darunter. Dieses Buch ist ein klassischer Pageturner: Mit jeder neuen Seite wartet man auf neue Offenbarungen oder darauf, dass das dunkle Geheimnis endlich aufgedeckt wird. Wird es auch. Mehrmals. Aber bis zum Schluss entpuppen sich verschiedene Wege als Ablenkungsmanöver, falsche Fährten oder einfach nur wahnwitzig. Als ich nur noch wenige Seiten zu lesen hatte, baute sich sogar noch kurz vor Schluss der Gedanke auf, dass jetzt noch irgendein Hammer auf mich warten würde. Tat’s auch. Und dann war auf einmal Schluss. Und zwar auf die sinnvollste Weise, die ich mir für dieses Buch besser nicht hätte vorstellen können.

Fazit

Mir ist bewusst, dass ich mit dieser Rezension weniger auf den tatsächlichen Inhalt des Buches eingehe. Das tut der Klappentext übrigens auch nicht. Das macht das Schreiben einer Rezension übrigens so schwer, da ich nicht spoilern möchte. Daher habe ich versucht, mehr auf die Gefühle einzugehen, die dieses Buch beim Lesen vermittelt und den Stil des Autors, der übrigens nur als Pseudonym in Erscheinung tritt. Über Alexander Weiss ist bekannt, dass er 1973 geboren wurde, und in Heidelberg und New York Kunstgeschichte und internationales Kunstrecht studierte. Ich bin sicher, man kann getrost annehmen, dass viel von ihm in Benjamin Parker steckt. Nach Lesen von “Der Königsberg-Plan” habe ich auch eine Vorstellung davon, warum er das Buch unter einem Pseudonym veröffentlicht hat. Im übrigen arbeitet Weiss derzeit an einem weiteren Parker-Roman. Als Fazit kann ich nur ergänzend dazu sagen, dass ich auch den nächsten Roman lesen werde. Denn der Königsberg-Plan hat mir bereits sehr gut gefallen. Lediglich die Detailtiefe, die das Buch in der Mitte erfährt, war mir zu viel und es musste erst ein weiteres Buch in meine Hände fallen, um meine Motivation, dieses hier möglichst zügig zuende zu lesen, zu befeuern. Das wäre allerdings nicht nötig gewesen, denn nach diesem intensiven Ausflug in die Geschichte habe ich den Rest des Buches förmlich verschlungen! Von daher: Eine definitive Leseempfehlung mit sehr guten 4 von 5 Sternen – allerdings auch mit der Warnung an alle, die sich nicht für deutsche Geschichte interessieren: Das könnte sich nach Lesen dieses Romans ändern. Smile

[Rezension] Zwei Seiten einer Mauer von Alexander Stapper

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Titel: Zwei Seiten einer Mauer
AutorIn: Alexander Stapper
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 14. Dezember 2015
Format: eBook (348 Seiten)
ASIN: B019CSTGZ0
Preis: 1,99€

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Leseprobe

 

 

Worum geht’s?

»Unter Theos Füßen, die von der Mauer herabbaumeln, haben sich einige von ihnen angesammelt. Sehen kann er sie nicht. Einzig das leise Kratzen am Stein und das Röcheln sagen ihm, dass sie da sind. Bestimmt greifen ihre Hände nach seinen Füßen. Ob sie wohl irgendwann begreifen, dass ihre Bemühungen völlig sinnlos sind? Sie können es noch so oft versuchen, die letzten Meter fehlen am Ende doch. Die obere Kante bleibt für sie unerreichbar.«
Nach einer weltweiten Epidemie wächst Theo hinter einer hohen Mauer auf, die ihn vor den Infizierten beschützt. Die Katastrophe liegt weit zurück, Ordnung und Struktur sind wieder eingekehrt. Doch eines Abends macht er eine Entdeckung, durch die sein gesamtes Weltbild ins Wanken gerät. (Quelle)

Meine Meinung

Mauern haben immer zwei Seiten. Auf der einen bieten sie Sicherheit, auf der anderen sperren sie aus. (Zwei Seiten einer Mauer)

Kratzen, röcheln, Infizierte – das alles klingt nach einem waschechten postapokalyptischen Zombieroman, doch um die wandelnden Toten geht es in “Zwei Seiten einer Mauer” nur bedingt. Vielmehr steht für den Autor die Gesellschaftskritik an erster Stelle.

Theo sitzt jeden Abend auf der Mauer. Der Mauer, die alle Gesunden vor den Infizierten schützen soll. Theo kennt gar keine Zeit ohne Mauer mehr. Er wurde lange nach der weltweiten Epidemie geboren und kennt nur die Gesellschaft und ihre Struktur, wie sie jetzt ist. Hinter der Mauer ist es sicher, vor der Mauer lauert der Tod.
Berufe werden den einzelnen Personen zugeordnet, das Essen ist rationiert und es gibt eine Ausgangssperre. Für Theo ist das Alltag. Um diesem Alltag kurze Zeit zu entfliehen, haben sich Theo und seine Freunde ein Spiel ausgedacht, das sie in den alten Ruinen der Stadt spielen. Als es eines Tages dazu kommt, dass sich die Freunde nachts, nach der Ausgangssperre herausschleichen, um eben dieses Spiel zu spielen, machen die Drei eine Entdeckung, die jede Menge Fragen aufwirft.

Wie bereits erwähnt, spielen die Infizierten in “Zwei Seiten einer Mauer” nur eine untergeordnete Rolle. Ja, sie kommen kurz vor und einer fällt sogar mal einen Menschen an, aber das war es auch schon. Wer sich menschenfressende Zombies in der Hauptrolle wünscht, der sollte weiter suchen. Meiner Meinung nach geht es Alexander Stapper mehr darum aufzuzeigen, wie sich die Gesellschaft und insbesondere einzelne Individuen verändern, wenn Struktur und Ordnung, wie wir sie kennen, nicht mehr gelten und ein neues System auf den Plan gerufen werden muss.

Gut dreiviertel des Buches geht es um Theo. Ich habe ihn auf seinen Streifzügen begleitet und machte mich mit ihm gemeinsam auf die Suche nach der Wahrheit. Im letzten Drittel taucht Theo gar nicht mehr auf und die Erzählperspektive wechselt zu einem neuen Protagonisten, der mir bis dahin allerdings völlig unbekannt war. Das hat mich mächtig irritiert und leider ist diese Irritation auch bis zum Ende des Buches hin nicht verschwunden.
Wie die meisten von euch bin ich ein Fan von Happy Ends. Es muss nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen sein, aber ich hätte gerne zumindest ein bisschen Hoffnung und den Ausblick auf etwas Positives. “Zwei Seiten einer Mauer” wird euch nicht mit einem Happy End dienen. Vielmehr ist das Ende offen gehalten, gibt Raum für eigene Gedanken und Spekulationen, lässt einen aber auch ganz klar verstehen, dass die Geschichte nicht ganz so ausgegangen ist, wie der Großteil der Leser es gerne gehabt hätte. Nichtsdestotrotz ist es ein passendes Ende, auch wenn ich erst einmal ein wenig gebraucht habe, um es zu verdauen.

Der Schreibstil Stappers ist recht einfach gehalten und wirkt mitunter ein wenig plump. Zu viele Hauptsätze, zu wenige Nebensätze. So ist die Geschichte natürlich leicht und flüssig zu lesen, doch ich hätte mir, angesichts der Thematik, einen etwas ausgefeilteren Schreibstil gewünscht. Leider sind mir auch die Charaktere zu oberflächlich beschrieben worden. Ich konnte keine wirkliche emotionale Bindung aufbauen, so dass mir das Schicksal der Einzelnen gar nicht wirklich nahe gegangen ist. Mehr Tiefe hätte den Charakteren hier sehr gut getan.

Fazit

“Zwei Seiten einer Mauer” ist ein postapokalyptischer Roman, kein Zombieroman. Gesellschaftskritik steht an erster Stelle und regt durchaus zum Nachdenken an, wenn man sich als Leser denn drauf einlassen möchte. Ich muss zugeben, dass ich eine andere Art von Geschichte erwartet, das Buch aber dennoch gern gelesen habe. Daher gibt es von mir 3,5 von 5 Sternen.

[Gewinnspiel] Für Groß und Klein

Hallo meine Lieben!

Heute machen wir es mal ganz anders als es normalerweise üblich ist. Normalerweise bekommt ja immer das Geburtstagskind etwas geschenkt, wenn es denn Geburtstag hat, aber heute drehen wir den Spieß um.
Heute werde ich sage und schreibe 32 Jahre alt und habe euch zur Feier des Tages zwei Bücher mitgebracht, die ihr gewinnen könnt.

Die Bücher wurden uns freundlicherweise vom Divan Verlag zur Verfügung gestellt. Danke dafür!

Das könnt ihr gewinnen

Zum Einen gäbe es da etwas für die jüngeren Leser unter uns.

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Lilly und Anton entdecken den Bodensee

Endlich Ferien! Lilly und Anton fahren mit ihren Eltern an den Bodensee und entdecken dort tolle Städte und tolle Landschaften und mittendrin den wunderschönen See, eines der größten Binnengewässer Europas. Berge und Burgen laden zu spannenden Besuchen ein, sie erkunden Konstanz, den Rheinfall Schaffhausen und die Insel Mainau, und natürlich machen die beiden Bootstouren auf dem See.
Auf großformatigen farbigen Doppelseiten werden die Besonderheiten des Bodensees und seiner vielfältigen Landschaft mit Zeichnungen und Fotos dargestellt. Wimmelbilder regen zum Entdecken an, „Hits für Kids – ein Überblick“ fasst die wichtigsten Informationen kindgerecht zusammen.
Bester (Vor-)Lesespaß für Kinder von 4 bis 8 Jahren.

Zum Anderen etwas für die Krimi- und Thrillerfans.

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Der Königsberg Plan

Berlin, Gegenwart. Ein mysteriöser Todesfall und ein geheimer Auftrag der Bundeskanzlerin verändern das Leben des Kunstrechtsexperten Benjamin Parker auf dramatische Weise: Gemeinsam mit der Journalistin Zoé Velázquez muss er um jeden Preis herausfinden, was damals in Königsberg geschah. So stößt er auf einen Komplott, der Deutschland in den Grundfesten erschüttert. Eine mörderische Jagd beginnt – und als Parker sich in einem bretonischen Chateau der Wahrheit nahe wähnt, kommt ein fürchterlicher Zweifel in ihm auf: War es ein Fehler, der Kanzlerin zu vertrauen?

Was ihr tun müsst, um zu gewinnen

  • Das ist ganz einfach. Hinterlasst unter diesem Post einen netten Kommentar und schreibt für welches Buch ihr gerne in den Lostopf hüpfen wollt. Ihr dürft auch für beide Bücher in den Topf hüpfen.
  • Das Gewinnspiel läuft bis zum 17.08.2016, 23:59 Uhr. Am 18.08. werde ich auslosen und den Gewinner verkünden.

Beide Bücher sind übrigens neu und ungelesen. Haben also noch keine Gebrauchsspuren.

Das Kleingedruckte

  • Ihr müsst kein Leser dieses Blogs sein, um teilzunehmen. Dennoch freuen wir uns immer über neue Gesichter.
  • Denkt daran eine gültige E-Mail Adresse anzugeben, da wir euch sonst im Gewinnfall nicht kontaktieren können.
  • Ihr müsst mindestens 18 Jahre alt sein, ansonsten benötigen wir eine Einverständniserklärung eurer Erziehungsberechtigten.
  • Der Gewinn kann nicht in bar ausgezahlt werden.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Wir übernehmen keine Haftung falls der Gewinn auf dem Postweg verloren gehen sollte.