[Interview] mit Patricia Schröder zu “The Perfect”

Nachdem wir Anfang Februar unser erstes Autoreninterview mit Timo Leibig geführt haben, geht es nun mit Patricia Schröder weiter, der wir ein paar Fragen zu ihrem Thriller “The Perfect” gestellt haben. Viel Spaß beim Lesen.

13 : 18 Hochformat

Stephen King steht für Horror, Rosamunde Pilcher für Liebesromane. Patricia Schröder lässt sich nur schwer auf ein Genre eingrenzen. Die 1960 im niedersächsischen Nordenham geborene Autorin schreibt nicht nur Liebes- und Freundschaftsgeschichten, sondern packt auch Problemthemen an und wagt sich sogar in die Thriller-Ecke. Ihr aktuellstes Buch “The Perfect”, das in der Casting- und Modewelt spielt, hat von all’ diesem etwas.

Das Werk der aufgeschlossenen und sympathischen Schriftstellerin ist genauso abwechslungsreich wie ihr eigener Lebenslauf. “Ich bin hängengeblieben und in der elften Klasse abgegangen”, gesteht sie auf Ihrer Homepage. Und auch, dass sie eine Schneiderlehre abgebrochen hat, um doch lieber wieder zur Schule zu gehen. Ihr Textildesignstudium hat sie durchgezogen – um später zu merken, dass ihr die Arbeit in der Industrie zu langweilig ist. Nach einer ungeplanten (aber nicht ungewollten!) Schwangerschaft und der Geburt eines zweiten Kindes zog Patricia Schröder mit ihrer Familie schließlich in ein “altersschwaches Haus” auf einer kleinen Warft an der Nordsee. Hier entdeckte sie ihr schriftstellerisches Talent. Im Jahr 1998 erschien ihr erster Roman, inzwischen hat sie 171 Bücher veröffentlicht.

 

 

“The Perfect” handelt von einem Casting und dessen für den Hauptcharakter Jazz unvorhersehbaren Folgen. Wie bist Du darauf gekommen?

Das kann ich nicht beantworten. Und zwar bei nahezu keinem meiner Bücher. Es ist wie ein Ei, das ausgebrütet wird. Und ich bin dann auch wirklich das Huhn, dessen Intellekt nicht ausreicht, um zu wissen, was es da tut, wenn es sich auf dieses Ei setzt. Es folgt seinem Instinkt oder wie auch immer ein Biologe das ausdrücken würde. In meinem Fall ist das Ei in mir und ich weiß nicht so recht, was dabei herauskommt. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass es durch Eindrücke entsteht, die ich Tag für Tag mehr oder weniger bewusst in mich aufnehme – vielleicht sogar aufsauge – und irgendwo ablege. Irgendwann fügen sich ein paar Dinge zusammen und die Schale des Eis platzt auf. Tja, und dann habe ich ein Junges (Plopp, das Thema ist da!!!), das Tag für Tag gehätschelt und gefüttert wird und immer mehr Gestalt annimmt – und mich ganz sicher nicht mehr in Ruhe lässt. Und irgendwann beginne ich dann auch, mir Notizen dazu zu machen.
Ich plane also nie (oder ganz, ganz selten) ein Buch zu einem bestimmten Thema. Vielleicht liegt es daran, dass ich seit vielen Jahren in einem fortwährenden Schreibprozess stecke. In irgendeiner Form arbeite ich fast immer an einem Buch, Gedanken und Ideen sprudeln also ständig.

Hast Du einen besonderen Bezug zum Thema Mode?

Ich liebe es, zu nähen. Als junges Mädchen wollte ich (wie Leena) Modedesignerin werden. Casting-Shows kann ich eigentlich nicht ausstehen, aber ich bin ein “Voice of Germany“-Fan. Und ich weiß natürlich, dass Casting-Shows total “in“ sind. Außerdem beobachte ich mit Sorge, wie viel Informationen “das Netz“ über uns sammelt, und frage mich in “The Perfect“ dann ganz gezielt, was eventuell jemand damit anfangen könnte, der uns nicht einfach nur irgendwas verkaufen will.

Hat “The Perfect“ einen wahren Kern oder ist es rein fiktiv?

Absolut fiktiv.

Das heißt, dass Deine Charaktere ihren Ursprung auch nicht in echten Personen haben? Foto 21.02.16, 11 47 06

Definitiv nein! Jazz, Leena und alle anderen Haupt- und Nebenfiguren in diesem Roman existieren allein für diese Geschichte. Es sind ganz und gar eigenständige Persönlichkeiten und ich hatte sehr viel Spaß daran, ihre Charaktere zu entwickeln.

Ist „The Perfect“ eine neue Idee oder liegt diese schon eine Weile in der Schublade?

Ich habe nie Ideen in der Schublade. Siehe die Sache mit den Eiern. Was brütet, wird irgendwann reif und dann gehört es in die Welt.

Wie lange hast Du an dem Buch geschrieben?

Nachdem der Zögling aus der Pubertät war, ging es recht zügig voran und hat dann nur noch 4 Monate gedauert. Das Ei habe ich vermutlich schon 1 ½ bis 2 Jahre zuvor in mir getragen.

Wie hast Du Dich dem Thema angenähert?

Ich habe keine bewusste Recherche betrieben, sondern mein Wissen mit dem verquickt, was sich Tag für Tag an Informationen (aus Fernsehen, Zeitung, Gesprächen) dazu ergab. Es ist ungefähr so, als wäre man schwanger. Da sieht man plötzlich überall nur noch Schwangere. Die Infos, die ich brauchte, kamen zu mir, ganz einfach, weil ich offen dafür war.
Ich schreibe also mehr aus dem Bauch heraus als mit dem Kopf und verarbeite Wissen, Erfahrung, Lernprozesse usw. intuitiv. Außerdem habe ich sehr viel Fantasie und ich kann mich gut in Menschen und Situationen einfühlen.

Was schreibst Du lieber: Kinder- oder Jugendbücher?

Beides gleich gern. So wie ich auch gerne mal was Ernstes und mal was Lustiges schreibe. Ich glaube, ich schöpfe meine Kraft aus der Abwechslung.

Welches Deiner Bücher liegt Dir am meisten am Herzen?

Immer das, an dem ich aktuell arbeite… oder auch das, welches gerade erscheint. Okay, wenn ich mich jetzt zwischen ”Emely – voll im Freundschaftschaos“ und “The Perfect“ entscheiden müsste, fiele die Wahl auf Letzteres.
Ein echtes Herzensbuch habe ich aber auch. Es heißt “Gyde und die Flut“ und hat die Besonderheit, dass es ein Ein-Tages-Ei gewesen ist. Ich saß bei uns am Strand und beobachtete ein circa 10-jähriges Mädchen, das dort ohne eigene Familie “von Decke zu Decke“ hüpfte, mal hier etwas zu essen bekam, mal dort etwas zu trinken, von einer Familie sogar ein Handtuch, mit dem es sich abtrocknen konnte, nachdem es gebadet hatte. Ich fragte mich, wie dieses Mädchen wohl lebte… und die Geschichte entstand. Sie war fertig, als ich abends wieder nach Hause ging, und ich habe sie in zwei Wochen aufgeschrieben. Es ist die traurigste Geschichte, die ich je zu Papier gebracht habe.
Das Mädchen habe ich später noch kennengelernt. Sie hat ein nicht ganz einfaches Schicksal, aber es ist längst nicht so dramatisch, wie ich es mir damals ausgemalt hatte. Zum Glück!

Vielen Dank, liebe Patricia, für die Beantwortung unserer Fragen. Hoffentlich findet “The Perfect” noch ganz viele neue begeisterte Leser.

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