[Rezension] Solo für Clara von Claudia Schreiber

solofuerclara

 

Titel: Solo für Clara
AutorIn: Claudia Schreiber
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2016
ISBN: 978-3446250901
Format: Gebundene Ausgabe (272 Seiten)
Preis: 16,90€

zum Buch

Leseprobe

 

 

Worum geht’s?

Ich heiße Clara. Clara van Bergen. Mein Paps ist Niederländer – darum. Schon mit fünf Jahren wollte ich Klavierspielen lernen. Es ist mein großer Traum, Pianistin zu werden. Das ist schwerer, als ich mir gedacht habe. Aber ich will es schaffen! Meine Eltern treiben mich nicht, im Gegenteil – ich allein bin das. Ich hab manchmal das Gefühl, ich könne alles schaffen – naja … recht überheblich, was?! Es fängt klein an, mit einem leichten Adagio von Mozart. Und endet beim Glöckchen; ein Stück, das jeden vom Hocker haut. (Quelle)

Meine Meinung zum Buch

Dieses Buch fand seinen Weg zu mir durch eine Buchlesung, an der Miriam und ich vor kurzem teilnahmen. Mehr darüber könnt ihr hier lesen. Natürlich habe ich das Buch sofort vor Ort gekauft und freute mich darauf, mehr über Clara zu erfahren und herauszufinden, ob sie es nun schaffen würde, Pianistin zu werden oder nicht.

Doch zunächst einmal zum Buch selbst. Es fühlt sich großartig an! Auf dem Cover prangt ein gezeichneter Flügel, unterlegt von einem Notenblatt und das Material fühlt sich rau und unverarbeitet an. Auf den heute so typischen Hochglanz wurde zum Glück verzichtet; das hätte aber auch nicht gepasst. Was ebenfalls allein schon beim schnellen Durchblättern auffällt: Alle paar Seiten finden sich mitten im Text QR-Codes zu YouTube-Videos, in denen passend zur Geschichte die verschiedensten Pianisten just die Stücke spielen, mit denen sich Clara gerade beschäftigt. Auf der einen Seite finde ich die Idee wirklich gut, allerdings ist damit kaum sichergestellt, dass die Videos z.B. in zehn Jahren noch existieren. Ich nehme aber auch an, die Stücke einspielen zu lassen und als digitalen Download anzubieten (oder als CD zu verkaufen) wäre teurer und aufwendiger gewesen.

Ich habe das Buch an zwei Tagen durchgelesen (mit Unterbrechung). Ein gutes Zeichen dafür, dass es sehr angenehm zu lesen war und ich schnell in die Geschichte eintauchen konnte. Doch obwohl es mir nicht leicht fällt, muss ich dennoch zugeben, dass ich Clara nicht mag. Häufig scheinen talentierte Kinder von ihren Eltern zu Höchstleistungen zunächst angespornt, dann aber fast schon genötigt zu werden. In diesem Buch wird die Situation einiger Kinder auch so beschrieben. Wenn diese sich zu egoistischen, von Ehrgeiz zerfressenen, rücksichtslosen, kleinen Biestern entwickeln, dann fällt es einem leicht zu sagen: Das arme Kind. Es kann ja nichts dafür. Oft verbirgt sich dahinter der zumeist unerfüllte Wunsch, es den eigenen Eltern Recht zu machen. So etwas finde ich sehr traurig. Von daher – das möchte ich wirklich betonen! – sind in diesem Buch die wahren Protagonisten die Eltern von Clara. Nach anfänglichem Entsetzen über die möglichen Konsequenzen der Entscheidung ihrer Tochter, Pianistin zu werden, geben sie etappenweise ihr altes Leben auf, ordnen sich neu und begleiten Clara mit engelsgleicher Geduld und viel Liebe durch ihr Leben. Nur am Rande findet hier eine hochinteressante Geschichte statt, die ich an dieser Stelle gar nicht wiedergeben möchte. Falls ihr das Buch selber lest, achtet mal auf das Geschehen um Clara herum und versucht sie ein wenig auszublenden. Denn das fällt zugegebener Maßen nicht leicht: Clara wird von Anfang an als eine Person gezeichnet, die weiß, was sie will. Allerdings im Zweifelsfall auch auf Kosten anderer. Zu Beginn des Buches freute ich mich für Clara und vor allem darüber, was für tolle Eltern sie hat und wie sehr sie aus allen Richtungen Unterstützung erfährt. Niemand baut Druck auf. Keiner zwingt sie, unerbittlich zu üben und den Rest der Welt zu verdrängen. Das tut Clara dafür aber ganz allein und hat es dadurch leider geschafft, mir immer unsympathischer zu werden.

Einige Handlungsstränge wirken zudem irgendwie unvollendet. Es werden Hinweise gestreut, die entweder nicht weiter verfolgt werden – obwohl deren mögliche Implikationen starke Auswirkungen auf die Geschichte haben – und gleichzeitig gibt es an anderen Stellen Auflösungen, die geradezu naiv wirken und wenig Sinn ergeben. Ich kann mir das nur so erklären, dass das Buch authentisch aus der Perspektive Claras geschrieben wirken soll und sie als Kind nun einmal in weiten Teilen naiv ist und nicht alles wissen kann. Für mich als erwachsenen Leser fällt es zugegeben schwer, das so zu verdauen. Ein wenig ausgleichen konnte das dafür die lockere Art, die Clara oft an den Tag legt und mich mit kessen Sprüchen auch in ernsten Situationen zum Schmunzeln brachte.

Insgesamt gewährt einem Solo für Clara tiefe Einblicke in eine Szene, mit der wir als Laien kaum in Berührung kommen. Allein deshalb ist dieses Buch empfehlenswert für alle, die sich für Musik im Allgemeinen und das Klavierspielen im Speziellen interessieren. Nachdem Claudia Schreiber – so habe ich es verstanden – aufgrund einer realen Begegnung mit einem hochtalentierten jungen Mädchen diese Geschichte quasi in Anlehnung an wahre Begebenheiten geschrieben hat, ermöglicht sie es dem Leser, tatsächlich ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie es sein muss sich mit einer solchen Begabung in der Welt zurecht zu finden.

Fazit

Eine uneingeschränkte Empfehlung würde ich nur bei einer Fünf-Sterne-Bewertung aussprechen. Solo für Clara hat meiner Meinung nach allerdings einige Schwächen. Und doch lohnt es sich für die richtige Zielgruppe, ein paar schöne Abende mit dem Buch zu verbringen. Besonders empfehle ich, dabei im Hintergrund die Stücke spielen zu lassen, so wie sie im Buch auftauchen; das verleiht dem Erlebnis eine unglaubliche Atmosphäre. Mir ist bewusst, dass es gerade bei Büchern, die auf Tatsachen beruhen, nicht zwangsläufig so sein muss, dass man sich mit dem Protagonisten identifiziert. Dennoch kann ich dem Buch nur dreieinhalb Sterne geben, was neben den inhaltlichen Schwächen hauptsächlich an meinem Ärger darüber liegt, wie unsympathisch Clara mir beim Lesen besonders zum Ende hin wurde.

Was ich der Autorin noch sagen wollte

Aus meiner Sicht hätte Clara etwas mehr Empathie gut getan. Obwohl sie einige Male gegen die Wand gelaufen ist, was ihre Beziehung zu bestimmten Charakteren betrifft, rechtfertigt das aus meiner Sicht nicht ihr rücksichtsloses Verhalten. Gewundert habe ich mich auch über die kurze romantische Eskapade, die trotz des Tagebuchcharakters verblüffend technisch und kurz ausgefallen ist. Ob sich zudem hinter den Anspielungen zum Professor mehr verbirgt, frage ich mich noch heute. Ob es anderen auch so geht?

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4 Gedanken zu “[Rezension] Solo für Clara von Claudia Schreiber

  1. Das klingt ganz nach einem Buch für mich, liebe Miriam ♥

    Es ist schon recht lange her, seit ich ein Buch mit Musikbezug gelesen habe, darunter auch „Virtuosity“, das irgendwie nicht recht zu mir durchdringen wollte. Ich habe mir früher immer gewünscht, Klavier spielen zu können. Mittlerweile übe ich ab und an auf meinem Keyboard, auch wenn man das nicht direkt vergleichen kann.

    Danke für den Buchtipp, du machst mich neugierig 🙂

    Liebe Grüße!
    Sandra

    • Hi Sandra!

      In Virtuosity spielt die Protagonistin Geige, richtig? Ich muss zugeben, dass ich selbst bisher auch gar keine Bücher mit direktem Bezug zur Musik gelesen habe. Solo für Clara hat mich auch nur deshalb fasziniert, weil ich selbst gerne Klavier spiele. Daher wäre Virtuosity vermutlich auch nichts für mich. 🙂

      Wenn Du Lust hast, unkompliziert bekannte Stücke auf dem Keyboard oder auf einem Klavier zu lernen, kann ich Dir übrigens die YouTube-Seite von Thomas Forschbach empfehlen. Er hat wirklich tolle Video-Serien, die auch Anfängern zeigen sollen, wie schnell man so etwas lernen kann. Natürlich nicht Bach oder Mozart… aber viele von uns macht es auch einfach glücklich, wenn sie Lieder wie z.B. Love me like you do, River flows in you oder See you again spielen.

      Vielen Dank auch für das tolle Feedback und falls Du Solo für Clara liest, bin ich auf Deine Meinung gespannt!

      Lieben Gruß,
      Christian.

      • Lieber Christian,

        richtig. Ich habe selbst mal 3 Jahre Geige gespielt, aber das war nie so ganz mein Instrument, mir lagen Flöten in verschiedenen Tonlagen mehr. Danke für den Youtube-Tipp, den werde ich mir mal genauer ansehen. Mir macht v.a. der Bassschlüssel Probleme, aber ich bin bisher auch einfach zu bequem zum Üben gewesen. Mozart & Telemann habe ich früher teilweise auf Flöte gespielt, lange her.

        Ich habe das Buch schon auf die Merkliste gesetzt!

        Liebe Grüße 🙂

  2. Hallo 🙂
    Ich habe gerade „Solo für Clara“ beendet und bin über die Seite zum Buch auch hier gelandet 😉
    Ich kann deine Meinung total verstehen! Ich finde Clara auch nicht wirklich sympathisch und trotzdem ist sie mir in den (ebenfalls 😉 ) zwei Tagen Lesezeit irgendwie aus Herz gewachsen. Ich war von dieser Musikszene absolut beeindruckt und bereue es überhaupt nicht, das Buch in Leipzig auf der Buchmesse gekauft zu haben!
    Das mit den QR-Codes sehe ich wie du. Fü dieses Buch eine tolle Idee und wie du schon sagst, wäre eine CD wahrscheinlich zu teuer gewesen, aber kann eben auch schnell veralten. Claras Eltern habe ich ebenfalls bewundert und die Fragen, die du dir noch stelltest, kann ich ebenfalls unterschreiben. Hat Eisensteon so eine Ader? Mich hätt ja auch interessiert, wieso er Beatrice immer so gelobt hat, aber vielleicht war es ja gerade das: Bei Beatrice hat er die Ader zu sehr ausgelebt und die Mutter geht an die Presse, wenn er sie nicht bevorzugt?? Wäre plausibel…aber naja…
    Eigentlich wollte ich nur sagen, sehr schöne Rezension 😉 ist aber eben auch ein spannendes Thema…
    Ganz liebe Grüße,
    Julia

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