[Rezension] Unsterblich von Jens Lubbadeh

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Titel: Unsterblich
AutorIn: Jens Lubbadeh
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: Juli 2016
ISBN: 978-3-453-31731-4
Format: Broschur (448 Seiten)
Preis: 14,99€

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Leseprobe

Worum geht es?

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Der Traum der Menschheit vom ewigen Leben ist Wirklichkeit geworden: Dank Virtual-Reality-Implantaten können die Menschen als perfekte Kopien für immer weiterleben. Auch Marlene Dietrich ist als Star wiederauferstanden und wird weltweit gefeiert – bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Eigentlich unmöglich! Für den Versicherungsagenten Benjamin Kari wird aus der Suche nach ihrem digitalen Klon ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel. Quelle

Meine Meinung zum Buch

Ich habe „Unsterblich“ vom Heyne Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen und war gleich angetan vom Coverdesign. Autorname, Buchtitel und Kategorie sind als Relief in goldener Farbe fühlbar auf das Cover gedruckt, den Rest ziert ein stilisiertes Frauenbild. Wer den Klappentext liest und sich ein wenig mit der Filmbranche auskennt, erkennt hier sofort Marlene Dietrich. Das Design empfand ich insbesondere deshalb so spannend, da sich die femininen Züge der bekannten Schauspielerin darin sofort wiedererkennen ließen, auf der anderen Seite aber wiederum sich ein eher künstlicher Eindruck aufdrängt. Warum das so ist, wird bereits zu Beginn der Geschichte deutlich: Es geht um “perfekte” Kopien von Menschen, die in der virtuellen Realität weiterleben – daher auch der Titel des Buches: “Unsterblich”. Inwiefern hier die gesamte Menschheit an der virtuellen Wiederauferstehung Verstorbener partizipieren kann (wo in unserer Zeit doch zum Genuss der VR zumeist klobige Brillen zum Einsatz kommen und der Einsatz sich i.d.R. auf die eigenen vier Wände beschränkt), wollte sich mir zunächst nicht erschließen.

Allerdings spielt die Handlung dieses Romans auch im Jahr 2044 und die Entwicklung ist anscheinend deutlich vorangeschritten. Wer Bücher wie z.B. Daemon und Darknet von Daniel Suarez kennt oder Blackout von Andreas Eschbach, bekommt sehr schnell eine gute Vorstellung davon, wie das funktioniert. Zum Glück muss ich aber an dieser Stelle auch nicht weiter spoilern, denn für die Geschichte ist der technologische Aspekt (zumindest bis etwa zur Hälfte des Buches) vollkommen irrelevant. Nehmen wir einfach einmal hin, dass es eine Virtuelle Realität gibt – und alle nehmen sie wahr. Und zwar IN der Realität. So viel dazu. Der Roman konzentriert sich dabei weniger auf die Science Fiction, sondern versucht vielmehr einen guten Krimi zu inszenieren. Und dabei zieht Lubbadeh in seinem Debutroman alle Register: Benjamin Kari, ein schwächlich wirkender Bürokrat als Protagonist wird unversehens in eine Geschichte gezogen, die unmöglich erscheint und doch weltweite Folgen mit sich ziehen könnte. Eine Verschwörung bis in die obersten Ränge stellt den Plot und treibt Kari in eine Hetzjagd, bei der er sich verliebt, doch nicht verliebt, vielleicht verliebt, verletzt wird, möglicherweise stirbt (oder doch nicht), auf Indianer trifft, mit Raketen fliegt, dem Geheimnis der Virtual Reality auf die Spur kommt, den Mordfall um Marlene Dietrich löst (ist es überhaupt ein Mord… immerhin ist sie schon seit 1992 tot) und dabei ganz nebenbei auch noch der Hörigkeit seinem Arbeitgeber gegenüber entsagt: DEM Konzern, der in der engsten nur möglichen Zusammenarbeit mit dem Erfinder der VR kooperiert, um wiederauferstandene virtuelle Klone zu “zertifizieren”.

Kein Witz: Denn das ist eigentlich Benjamin Karis Job. Er zertifiziert virtuelle Klone. Oder anders gesagt: Er prüft, ob sie im wesentlichen den Originalen so gut entsprechen, dass der Rest der Menschheit sie als echt akzeptiert. Fast ein wenig wie ein Turing-Test. Im Prinzip ist der Roman rasant geschrieben und ab der zweiten Hälfte bin ich auch nahezu über die Seiten geflogen. Allerdings muss ich gleichzeitig zugeben, dass der Start extrem schwer für mich war. Lubbadeh skizziert eine Welt, die zunächst recht fremd auf mich wirkte. Und da es zunächst an Erklärungen mangelt und die Geschichte vorauszusetzen scheint, dass der Leser die grundlegenden Gesetze dieser Welt kennt und akzeptiert, hatte ich echte Probleme damit, voranzukommen. Mehrmals dachte ich so bei mir: “So ein Blödsinn.” Da mir zudem auch noch die Zeit fehlte, um dennoch umfangreichere Passagen als nur ein paar Seiten am Stück zu lesen, dauerte es für meine Verhältnisse sehr lang, bis mich das Buch dann doch endlich gepackt hat.

Der Plot ist nämlich nicht von schlechten Eltern! Jens Lubbadeh hat für ein Erstlingswerk – aus meiner Sicht – einen großartigen Roman hingelegt, der es geschickt schafft, aus einer vom Prinzip her dem Kriminal-Genre entsprungenem Handlungsfaden eine Heldengeschichte zu machen, der natürlich auch der tragische Hintergrund nicht fehlen darf. Während diese Tragik innerhalb der fortschreitenden Geschichte zwar einmal zu viel auf die Tränendrüse zu drücken versucht – soviel Kritik sei erlaubt – mündet sie aber zum Schluss in einem Knaller, den man hätte vorhersehen können (wenn einen der ansonsten so geschickt gewobene Handlungsverlauf nicht davon abgelenkt hätte).

Fazit

Wer Spaß am Wer-Ist-Der-Mörder-Sci-Fi-Helden-Genre hat und sich für die gesellschaftlichen Auswirkungen einer allgegenwärtigen, virtuellen Realität interessiert, dem empfehle ich „Unsterblich“ uneingeschränkt. In diesem Sinne verzeihe ich dem Buch ein paar kleinere Schwächen und gebe ihm für das edle, minimalistische Coverdesign, die kreative Geschichte, dem spannenden Genremix und einem – wenn auch nicht ganz aufgelösten – Ende viereinhalb von fünf Sternen!

Skala 4,5 Sterne

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6 Gedanken zu “[Rezension] Unsterblich von Jens Lubbadeh

  1. Ich hab das Buch irgendwann mal im Laden enteckt und seitdem steht es auf meiner „Wunschliste“. Schön, dass es mir mal wieder begegnet und das auch noch positiv besprochen. Dann kann es nämlich drauf bleiben. (Ich wollte demnächst mal ausmisten, weil die Liste schneller wächst als ich lesen kann.) Danke für die schöne Rezension.

    Liebe Grüße
    Mona

    • Hi Mona,

      Ich freue mich riesig über Deine Worte! Ich war mir ehrlich gesagt etwas unsicher bei dieser Rezension,… sie wirkt erst einmal so negativ, da ich ein paar Dinge ja auch kritisiert habe. Ich hatte gehofft, dass meine insgesamt sehr positive Meinung doch durchkommt und nicht darin untergeht.

      Hat – so scheint’s – geklappt!

      Solltest Du es tatsächlich auch lesen, würde ich mich freuen, auch von Deiner Meinung zu hören!

      Lieben Gruß,
      Christian.

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