[Rezension] Der Hüter – Stadt der Tiefe von Jasmin Jülicher

Stadt_der_Tiefe

Titel: Der Hüter – Stadt der Tiefe
AutorIn: Jasmin Jülicher
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 6. August 2017
ISBN: 978-3-7448-4094-1
Format: ePUB (247 Seiten)
Preis: 3,99€

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Worum geht es?

Biota – Die Stadt, die nach dem Großen Krieg auf dem Meeresboden gebaut worden ist. Für die Bewohner ist sie eine sichere Heimat, denn die Oberen haben dafür gesorgt, dass jede gewalttätige Tendenz in den Menschen zusammen mit ihren Erinnerungen ausgelöscht wurde. Doch dann taucht eine grausam zugerichtete Leiche auf,  die es nie hätte geben dürfen. Alexander, oberster Hüter der Stadt, und die Biologin Nic ermitteln und stellen bald fest, dass dieser Mord erst der Anfang war. Denn Biota ist längst nicht die sichere Zuflucht, die sie zu sein scheint…  Sie müssen sich entscheiden: Ist die Wahrheit es wert, dass sie dafür ihr eigenes Leben und die Existenz der gesamten Stadt aufs Spiel setzen? (Quelle: Crowdfunding)

Meine Meinung

“Der Hüter” ist der Auftakt zu einer Reihe mit dem Namen “Stadt der Tiefe” aus dem Genre Steampunk und spielt im späten 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit lebten spannende Charaktere und es wurden fundamentale Erfindungen gemacht, die die erste industrielle Revolution einleiteten und die Welt für immer verändern sollten. Nur ist die Sache die: In “Der Hüter” weist Jasmin Jülicher ausdrücklich darauf hin, dass sie zwar bekannte Persönlichkeiten zu einem Teil der Geschichte hat werden lassen, diese aber in ihrem Verhalten völlig unabhängig von der Realität gezeichnet hat. Auch die Erfindungen orientieren sich wenig an Bekanntem und gründen sich dabei zumeist auf ein Element, das die Autorin im Sinne der Geschichte frei erfunden und das mich kurzzeitig an Transformers erinnert hat: Mechanium. Ein Material mit tollen (mechanischen) Eigenschaften!

Dies vorweg geschickt ist es daher wichtig zu verstehen, dass es sich bei “Der Hüter” eher um einen Fantasy-Kriminalroman mit Steampunk-Elementen handelt. Zu Beginn wird der Leser sogleich in eine rasante Entwicklung gezogen, die mit vielen Zeitsprüngen aufwartet. Eben noch wird Kohle aus den Gruben von menschlichen Arbeitern geholt, und im nächsten Moment sind einige Jahrzehnte vergangen und der Leser findet sich in einer Welt wieder, die sich aufgrund der Erfindungen nicht nur massiv verändert, sondern darüber hinaus auch noch eine große Gruppe von Menschen zu einer existentiellen Flucht in eine Stadt gezwungen hat, die unter dem Meer gebaut wurde. Die Zeitsprünge waren mir dabei zu hektisch und einige Abschnitte klangen zu dem leider auch eher uninspiriert. Verschiedene Entscheidungen, die für die Entwicklung der Geschichte wichtig waren, wirken zudem recht naiv. Wobei man allerdings sagen muss, dass in unserer Zeit bspw. Debatten darüber geführt werden, ob autonomen Drohnen die Macht gegeben werden soll, sog. “Kill Decisions” selbständig ohne das Eingreifen durch Menschen durchführen zu können. Vor dem Hintergrund wirken die Ideen von Jasmin Jülicher weniger naiv, sondern vielmehr in hohem Maße gesellschaftskritisch.

Das ist mir an vielen Stellen aufgefallen und ich schreibe es der Tatsache zu, dass es sich bei “Der Hüter” um ihr Erstlingswerk handelt, dass entsprechend ihr Schreibstil eher einfach ist und oft den Eindruck erweckt, als wäre die Autorin “Abkürzungen” gegangen, um die Geschichte schneller voranzutreiben. Zudem wechselt sie oft die Erzählperspektive. Mal aus der Ich-Form geschrieben, wechselt der Text von einem Satz zum anderen auch zurück in die übergeordnete Erzählperspektive. Auch kommt es zuweilen vor, dass sich der Kontext von einem Absatz zum nächsten ändert, ohne dass es eine Zwischenüberschrift gegeben hätte. Diese und andere stilistische Fehler haben mich manches Mal verwirrt.

Gleichzeitig sollte man von dem Buch nicht erwarten, eine seicht dahinplätschernde Geschichte auf dem Tablett serviert zu bekommen. Es geht zuweilen hart her und mitunter sind Gewaltszenen sehr explizit und blutig beschrieben. Im Gesamtkontext des Buches – für mich – sogar zu explizit. Dabei dauert es sehr lange, bis sich offenbart, durch wen und wodurch diese Gewalt verursacht wird. Obwohl Jasmin Jülicher sich auch hier eines nicht ganz unbekannten Täterprofils der Geschichte bedient, ist es so einfach nicht und man muss das Buch schon bis zum Ende lesen, um alles überblicken zu können. Natürlich fehlt auch hier nicht eine kleine Prise Romantik und Sex, wobei mir dieser Part genauso unbeholfen wie unnötig erschien. Da das Werk sowieso auf mehrere Bände ausgelegt ist, hätte es der Spannung – auch zwischen den Charakteren – gut getan, dieses Thema auf einen Folgeband zu verschieben.

Fazit

Auch wenn ich mit Kritik nicht spare, bin ich dennoch gespannt, wie die Geschichte im zweiten Band weitergeht. Zumindest ab der Hälfte des ersten Bandes habe ich zunehmend den Eindruck gewonnen, dass Jasmin Jülicher immer sicherer im Schreiben wurde. Dennoch hat sie es bis zum Ende nicht geschafft, einen konstant guten Stil zu etablieren. Zu oft wirkten einzelne Passagen auf mich uninspiriert, abkürzend und das Verhalten des Protagonisten kindisch. Von daher hoffe ich darauf, dass sich das im nächsten Band bessert und ich dann auch mehr Sterne für die ansonsten interessante Geschichte vergeben kann. “Der Hüter” kommt für mich auf dreieinhalb Sterne, für die spannende Idee, aktuelles Zeitgeschehen und Gesellschaftskritik in einem interessanten, geschichtlichen Kontext darzustellen.

P.S.

Jasmin verlegt ihr Buch selbst und finanziert den Druck über eine Crowdfunding-Aktion. Das finde ich wirklich großartig und ich freue mich für sie, dass das Finanzierungsziel erreicht wurde. Aufmerksam darauf wurde ich, da sie das tthinkttwice-Team darauf angesprochen hat, ob wir Lust hätten, “Der Hüter” zu rezensieren (auch hier noch einmal vielen Dank dafür!). Und wenn ihr mehr über Jasmin und ihr Buchprojekt erfahren wollt, dann besucht unbedingt den Blog von Tilly Jones! Tilly hat ein ganz besonderes Interview mit Jasmin geführt, das zu lesen viel Spaß macht!

[Mittendrin Mittwoch] #10

“Mittendrin Mittwoch” ist eine Aktion von Elizzy, bei der ich euch mein aktuelles Buch und ein paar Zeilen daraus vorstelle. Quasi Momentaufnahmen von Büchern, in denen ich mittendrin stecke. Heute schreibt mal wieder Mephisztoe. Smile

Lieber Cornelius, ich bin erfreut, dir mitteilen zu können, dass wir ihn gefunden haben! Die Spione, die wir ausgesendet hatten, kamen gestern mit der Kunde zurück, dass ein gewisser Karl Frisch die Angriffe auf unser Eigentum befiehlt. Er besitzt Minen in Europa, Afrika, Südamerika, Australien und auch in Asien. Die Golems, die die Spione sehen konnten, gehorchten allerdings nicht seinen Befehlen. Meine Leute hörten seine Arbeiter darüber sprechen, dass diese Ungeheuer etwas besitzen, dass sie ›künstliche Intelligenz‹ nannten. Ich denke, uns steht einiges bevor und hoffe, wir können uns so bald wie möglich treffen.

Viele Grüße, dein Maximilian. (8%)

Vor kurzem hat uns die Anfrage einer jungen Autorin erreicht, die über eine Crowd-Funding Aktion den Druck ihrer Romane finanzieren möchte. Ganz genau geht es um eine Reihe, die voraussichtlich aus vier Bänden bestehen wird: Stadt der Tiefe. Der erste Band mit dem Titel “Der Hüter” hat bereits ein professionell gestaltetes Cover und darüber hinaus das Lektorat passiert. Ich lese zurzeit die Ebook Version, die mir die Autorin – Jasmin Jülicher – zur Verfügung gestellt hat.

Das Genre beschreibt sie selbst als Steampunk (Fantasy) – Krimi. Von daher hat sie bei mir natürlich offene Türen eingerannt. Wie ihr wisst, bin ich seit neuestem ein Fan dieses Subgenres. Smile

Und in der Tat: Genau wie bei „Drudír“ beginnt “Der Hüter” direkt mit einem Mord. Was daraufhin allerdings folgt, ist ein Stakkato an Zeitsprüngen, die dem Leser zügig eine recht umfangreiche Vorgeschichte in sehr kurzer Zeit vermitteln soll. Mir war das zu hektisch. Der Steampunk-Aspekt dieses Romans entsteht zum einen durch die Zeitlinie, die sich über die erste industrielle Revolution erstreckt und die Tatsache, dass Maschinenwesen erschaffen werden, die – Golems genannt – den Menschen bei harter Arbeit als Unterstützung dienen sollen, deren Einsatzszenarien sich aber schnell wandeln. Es kommt wie es kommen muss und schon ist die Vorgeschichte um und ein harter Kern der Menschheit hat sich in eine künstlich erschaffene Welt unter Wasser zurückgezogen – um zu überleben.

Ich habe bisher etwas über die Hälfte des Buches gelesen und bin hin- und hergerissen. Oft wirken einzelne Passagen auf mich uninspiriert und teilweise schon fast naiv. Auch kommt es zuweilen vor, dass die Handlung entweder stark gerafft ist oder sich fast schon wie “Abkürzungen” anfühlen. Das lässt sich am ehesten mit Thumbwars vergleichen, der Parodie auf Starwars, in der eine Filmsequenz, bei der Rettung von Prinzessin Leia aus dem Todesstern und die anschließende Flucht über eine halbe Stunde dauert und in Thumbwars gekürzt ist auf einen Satz von Prinzessin Leia: “I escaped somehow. Let’s go.”. In einer Parodie ist das witzig. In “Der Hüter” stört es mich oft.

Während die Handlung somit oft plump auf mich wirkt, gestaltet sich der Krimi-Anteil indes sehr blumig. Und wenn ich blumig sage, meine ich die verbalisierte, sehr explizite Darstellung von Gewaltakten, die es für den Hüter aufzuklären gilt. Was auf der einen Seite ganz interessant ist: Die Handlung spielt im späten 19. Jahrhundert und erlaubt es somit, bekannte Charaktere, die just in dieser Zeit gelebt haben, zusammenzuführen. Ich will an dieser Stelle nicht spoilern, aber ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob die Menschen, um die es zuweilen geht, wirklich zur gleichen Zeit gelebt haben – und ja: Haben sie. Das finde ich cool! Gleichzeitig erscheint der rote Faden, der die Geschichte zusammenhält aber auch oft etwas konstruiert.

Kurzum: Das Steampunk Element kommt nicht so authentisch zur Wirkung, wie ich es in Drudír erlebt habe und die Geschichte – trotz dass sie im Kern kaum vorhersehbar ist – wirkt weit weniger komplex. Allerdings fällt es mir auch schwer, nach einem Roman wie „Drudír“ nicht automatisch permanent Vergleiche zu ziehen, was dem Buch “Der Hüter” gegenüber sicherlich unfair ist. Von daher ist mir bewusst, dass ich sehr viel kritisiere – dennoch bin ich auf die Auflösung gespannt und habe zugleich das Gefühl, dass der Schreibstil ab circa der Hälfte des Buches sich langsam verändert. Nicht lachen: Es macht den Anschein, als hätte die Autorin ein wenig gebraucht, um sich einzugrooven. Smile

In diesem Sinne: Macht euch doch selbst ein Bild davon. Auf der Crowd-Funding Seite findet ihr dafür eine Leseprobe.

Wie geht euch das mit Romanen, die aus einem ähnlichen (Sub-) Genre stammen und die ihr kurz hintereinander lest? Fällt es euch auch schwer, sie voneinander zu trennen? Ich habe – nachdem ich mit Begeisterung „Der Dunkle Turm“ von Stephen King Band 1 – 7 gelesen habe, ein oder zwei Bücher von Frank Schätzing und Romane von u.a. Marc Elsberg gelesen… und dann Band 4.1 aus der Dunklen-Turm-Saga, die im Nachhinein veröffentlicht wurde. Eine Katastrophe. Sprachlich ist King im Vergleich zu den anderen genannten Autoren wie die Titelseite der Bild-Zeitung im Vergleich zum Feuilleton der Zeit… das versaut einem alles. Smile

[IMHO] Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal! Wissen, Spaß und günstig soll es sein. Meine Meinung zu Audible

Auf tthinkttwice.de finden sich überwiegend Rezensionen zu Büchern. Nur wenige davon stammen von mir. Das hat einen einfachen Grund: Ich komme nicht so viel zum Lesen, wie ich es gerne hätte. Zwar lese ich zur Zeit drei Fachbücher und zwei Romane gleichzeitig, allerdings dauert es entsprechend recht lange, bis ich sie durch habe. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es mir schwer fällt eine Rezension über ein Buch zu schreiben, für das ich bspw. sechs Monate gebraucht habe, um es zu lesen.

Anders ist es bei Hörbüchern! Ich höre sie beim Rasenmähen, während langer Autofahrten, wenn das Licht aus ist, bei der Hausarbeit, wenn ich mit dem Tochterkind spazieren gehe (und sie dabei schläft), kurzum: Bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Ich denke, das ist bei mir seit meiner Kindheit verankert – erwähnte ich bereits, dass wir alle Folgen der drei Fragezeichen auf CD haben?

Eine Investition in die Bildung

Seit 2013 habe ich einen Audible Account und seit dem in Summe beinahe 60 Hörbücher, Serien und gesprochene Fachbücher gekauft. Daher wollte ich die Gelegenheit nutzen, euch von meinen Erfahrungen zu berichten.

Zu Anfang gab es in Sachen Audible erst einmal ein Thema zwischen meiner Frau und mir. Immerhin kostet der Account knapp 10 Euro im Monat. Ich fand aber schnell eine gute Argumentation: Natürlich handelte es sich bei dem Abonnement um eine Investition in meine berufliche Zukunft! Denn in der Tat habe ich in den kommenden Jahren oft Fachbücher heruntergeladen. Jeden Monat gibt es für 9,95 Euro ein Freiguthaben, mit dem man sich ein Hörbuch aussuchen kann. Einige Titel – i.d.R. solche, die sehr kurz sind und deren regulärer Preis die 9,95 Euro deutlich unterschreitet – erhält man bereits für ein halbes Guthaben. Und das gute daran ist: Nutzt man es nicht, bleibt es bestehen. Ich kenne Leute, die über lange Zeit quasi “vergessen” haben, dass sie jeden Monat Geld überweisen und plötzlich feststellten, dass sie über 20 Freiguthaben verfügen…

Ich habe das mal überschlagen: Im Vergleich zu den “Ladenpreisen” zu denen alle meine Hörbücher heute bei Audible gekauft werden können, habe ich über das Abonnement in Summe mehr als die Hälfte gespart. In der Realität ist der Unterschied sogar noch größer, da heute viele Hörbücher natürlich deutlich günstiger verkauft werden, als zur Neuerscheinung.

Hinzu kommt, dass Audible eine sehr geniale Rückgabe-Regelung anbietet: Gefällt mir ein Hörbuch nicht, dann kann ich es über die Website einfach zurückgeben und bekomme das Guthaben erstattet. In den vergangenen vier Jahren habe ich davon tatsächlich bestimmt sechs oder sieben Mal Gebrauch gemacht.

Der digitaler Wandel und die Wahl des Abspielgerätes

Früher hatten alle einen Walkman oder diese mobilen CD Player. Eine Zeitlang gab es noch diese – wie hießen sie noch gleich – Mini-Discs? Die kleine Version der CDs in knallbunten Plastic-Trays und hippen Abspielgeräten von Sony & Co… Heute ist alles digital und so erhält man die Hörbücher von Audible als digitale Downloads mit der Möglichkeit sie mittels der Audible-App aus dem Microsoft Store unter Windows 10, der Windows Desktop-App, der mobilen Universal-App unter Windows 10 for Mobile auf dem Smartphone, natürlich den Apps für Android oder iPhone und iPad sowie dem Mac zu hören. Zusätzlich gibt es via iTunes die Möglichkeit, Hörbücher in begrenzter Anzahl auch auf CD zu brennen oder sie auf zertifizierten Abspielgeräten zu nutzen. Die Liste der kompatiblen Geräte ist lang und als ich damals den Account eingerichtet habe, gab es als Willkommensgeschenk einen Philips GoGear Raga MP3 Player dazu, den man mit der Audible Software synchronisieren kann. Dabei handelte es sich allerdings um einen sehr einfachen Player, der inzwischen eher verstaubt. Das Handling ist nicht sehr benutzerfreundlich und die Performance (z.B. beim Spulen) ist unterirdisch.

Ich selbst nutze ausschließlich mein Windows Lumia 950 XL mit der offiziellen Audible App für Windows 10 for Mobile. Zwar bin ich absolut vom Look & Feel der App begeistert, allerdings hat sie auch ihre Macken. Insbesondere bei der Verbindung via Bluetooth zu meinem Auto kommt es öfter mal vor, dass die App das gewählte Hörbuch nicht abspielt oder das Hörbuch später – entkoppelt vom Auto – nicht an der gleichen Stelle fortgesetzt wird. Dann hilft in der Regel nur ein Neustart des Smartphones. Ich weiß leider nicht wie das bei Android oder dem iPhone ist, aber als Windows Phone / Windows 10 for Mobile Benutzer ist man ja Leid gewohnt.

Das Alexandria der Hörbücher

Inzwischen ist die Bibliothek sogar direkt in die App eingebunden und so ist es ein Leichtes, aus ihr heraus sich für ein Freiguthaben ein neues Hörbuch auszusuchen. In Null-Komma-Nichts wird es meiner Liste hinzugefügt und ich kann beginnen. Da Audible eine Amazon-Tochter ist, ist das Konto dabei mit meinem Amazon Konto verknüpft. Das macht bspw. den Kauf von z.B. Ebook-Versionen einfach: Audible bietet es in der eigenen Bibliothek als Link an verweist dann einfach auf Amazon. Genial daran: Mit der Funktion Whispersync synchronisieren sich Whispersync-kompatible Abspielgeräte untereinander. Das bedeutet, dass ich z.B. Der Anschlag von Stephen King auf meinem Kindle lesen, mich ins Auto setze und über die Audible App an der Stelle weiterhören kann, an der ich aufgehört habe zu lesen – und umgekehrt.

Meine TOP 5

Für die Interessierten unter euch hier mal meine TOP 5 an Hörbüchern sowohl aus der Kategorie Roman wie auch Fachbuch:

Meine persönliche TOP 5 in der Kategorie – Romane

  1. Der Anschlag von Stephen King
  2. Herr aller Dinge von Andreas Eschbach
  3. Daemon von Daniel Suarez (und nicht zu vergessen die Fortsetzung Darknet)
  4. Die drei Sonnen von Liu Cixin
  5. ZERO – Denn sie wissen, was Du tust von Marc Elsberg

Der Vollständigkeit halber möchte ich aber zusätzlich erwähnen, dass die Serien Glashaus (Staffel 1 und Staffel 2) sowie beide Staffeln von Monster 1983 zu meinen absoluten Highlights gehören! Die Produktionsqualität beider Serien, die Drehbücher und auch die bekannten Sprecher (es sind wirklich viele!) machen Glashaus und Monster 1983 für mich zu den besten Hörbuchserien, die ich kenne.

Meine persönliche TOP 5 in der Kategorie – Bildung & Wissen

  1. Die Kunst, seine Kunden zu lieben von Stefan Merath
  2. Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer von Stefan Merath
  3. Silicon Germany von Christoph Keese
  4. Smarte Maschinen von Ulrich Eberl
  5. Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noah Harari

Hier möchte ich die Hörbücher vom Unternehmercoach Stefan Merath hervorheben. Während Fachbücher für Unternehmer eigentlich immer eher typischen Lehrbüchern gleichen, geht Merath einen anderen Weg: Er erzählt Geschichten. In beiden Hörbüchern begleitet man den Protagonisten ähnlich wie in einem Roman üblich: Er gerät in eine Schieflage, trifft auf den Coach, dieser hilft ihm. Vereinfacht gesagt. Auf dem Weg dahin hat man als Hörer aber nie das Gefühl, gerade ein Lehrbuch zu konsumieren. Im Gegenteil: Es gibt sogar einen Spannungsbogen!

Trotz aller Vorteile, Fachbücher via Audible zu hören, möchte ich aber auch anmerken, dass es in der Natur der Sache liegt, dass sich hier schwer Anmerkungen reinschreiben oder Post-Its reinkleben lassen. Mit den Fachbüchern zu arbeiten fällt nun einmal leichter, wenn sie in Form physischer Bücher vor einem liegen. Außerdem wirkt es befremdlich, wenn einem der Sprecher grafische Abbildungen, Tabellen und Diagramme vorliest. Man sollte daher darauf vorbereitet sein, hier gegebenenfalls zusätzlich in Ebooks oder gedruckte Bücher zu investieren.

Zum Schluss noch ein Angebot an euch: Ihr habt meine TOP 5 Listen gesehen. Falls ihr mehr über die jeweiligen Hörbücher wissen wollt: Schreibt es mir in den Kommentaren und ich fange endlich damit an, was ich eigentlich schon immer hätte tun sollen: Rezensionen nicht nur zu gedruckten Büchern, sondern auch zu Hörbüchern schreiben. Was haltet ihr davon?

Bis dahin mein

Fazit

Audible hat sich für mich von Anfang an gelohnt. Auch wenn ich ab und an mit dem Philips GoGear Raga Player zu kämpfen hatte und auch die Windows Phone App nicht immer tut, was sie sollte: Es sind die Inhalte die zählen und die bekomme ich zu einem fairen Preis. Darüber hinaus arbeitet der Support von Audible zuverlässig und zuweilen auch sehr kulant! Kurzum: Ich freue mich jeden Monat wieder auf das neue Freiguthaben! Wäre das eine Rezension, gäbe es 5 Sterne für Audible.

[Mittendrin Mittwoch] #5

“Mittendrin Mittwoch” ist eine Aktion von Elizzy, bei der ich euch mein aktuelles Buch und ein paar Zeilen daraus vorstelle. Quasi Momentaufnahmen von Büchern, in denen ich mittendrin stecke. Ach und obacht: Es wird wild. Heute schreibt Mephisztoe und es geht um nichts weniger als intelligente, digitale Hummer im Cyberspace (echt, ich könnt mich wegschmeißen, während ich das hier schreibe,… aber lest selbst).

Accelerando

In der Ferne vernimmt die Katze die kollektive Intelligenz der Hummer, ein Singen im leeren Raum, ein Lebenszeichen über große Distanzen hinweg, das von der Heimstätte der Hummer, einem Kometen, quer durchs All dringt. Unterwegs zu einer Begegnung in der Eiseskälte jenseits des Neptun, treibt der Komet still durch den Asteroidengürtel. Die Hummer singen von Entwurzelung und Alterungsprozess, von einer Intelligenz, die zu langsam arbeitet und zu schwach ist, um mit dem schrecklich schnellen Wandel mitzuhalten, der wie ein Sandstrahlgebläse über die Welt der Menschen hinweggefegt ist. (Pos. 2.428, 26%)

Na, wie klingt das für euch? Fremdartig? Seltsam? Nach Science Fiction? Wisst ihr, an diesem Buch sind gleich mehrere Dinge besonders. Fangen wir damit an, dass ich es zunächst nicht kapiert hatte und – um der Fairness genüge zu tun – ich den oben stehenden Text aus dem Grund dafür auf englisch hätte zitieren sollen. Ich habe Accelerando bereits vor Jahren auf einen Tipp hin begonnen. Allerdings im Original. Und als auf einmal von “Lobstern” die Rede war, die ins Internet hochgeladen wurden und versuchen dem Protagonisten Manfred Macx zu erklären, sie seien nun auf der Flucht, dachte ich, ich müsste irgendetwas überlesen haben. Hummer? Echt jetzt? Gleichzeitig strotzt das Buch nur so vor Neologismen. Und das auch noch auf englisch. Das war’s. So etwas passiert selten, aber ich habe aufgegeben.

Solange, bis ich vor kurzem einen zweiten Anlauf wagte. Diesmal auf deutsch. Und soll ich euch mal was sagen? Es werden wirklich Hummer “digitalisiert” – Neuron für Neuron – und ins Internet hochgeladen. Und Macx ist ein Anhänger der Singularitäts-Theorie. Allein diese hier zu erklären, würde sich in etwa so skurril anhören, wie die Story in Accelerando. Nur so viel: Die Idee hinter der technischen Singularität ist das Ereignis, das den Moment beschreibt, in dem eine Maschine konstruiert wird, die nicht nur schlauer ist als der Mensch sondern dazu noch in der Lage, die nächste Version zu entwickeln, die noch schlauer ist als sie selbst. Man sagt, dabei würde es sich um die letzte Erfindung der Menschheit handeln und dass sich die (technische) Evolution von da an exponentiell beschleunigen wird. Schätze, daher kommt auch der Titel des Romans von Charles Stross.

Wer sich dafür interessiert, oder einfach mal reinschnuppern möchte in ein Thema, das oberflächlich betrachtet verrückt oder nach sektentauglichem Stoff klingt, schaut sich bei Wikipedia mal nach Begriffen um wie Singularität, Posthumanismus und Transhumanismus.

Was das Buch betrifft: Es gibt nicht viele Bücher, die sich diesem Thema romanseitig nähern. Das war es, was mich an Accelerando gereizt hat. Damals wie heute. Nebenbei: Es ist bereits 2005 erschienen. Und das führt mich zu einem weiteren besonderen Punkt: In Anbetracht der Tatsache, das Wissenschaftler und Neuro-Informatiker weltweit an Technologien arbeiten, die bereits jetzt in der Lage sind, die Gehirne von Kakerlaken und Mäuse zu simulieren, und an künstlichen Intelligenzen, die in über 98% aller Fälle die Abschlusstests von Viertklässlern bestehen und somit von ihrer intellektuellen Kompetenz her gleichauf sind mit Zehnjährigen, ist das Anfangsszenario aus Accelerando gar nicht mehr so weit entfernt. Allerdings existierte 2005 das dazu passende Vokabular noch nicht – also finden sich in dem Buch allerlei skurrile Wortneuschöpfungen, die es dann und wann anstrengend zu lesen machen. Selbst auf deutsch.

Inzwischen habe ich mehr als ein Viertel gelesen und dabei festgestellt, dass es nicht nur um den neuro-informatischen Aspekt geht, sondern auch um eine Reformation der Marktwirtschaft. In Accelerando stecken wirklich extreme und in Teilen spannende Ideen. Das beginnt bei Fragen nach der Identität (rechtlich gesehen), geht über die Behandlung von Urheberrechten bis hin zur Frage, ob den digitalen Hummern Persönlichkeitsrechte zugesprochen werden sollten und sie damit den Status regulärer Bürger verpasst bekämen. Und wozu der Stunt? Nun, soweit wie ich es verstanden habe, scheint sich das Buch sogar in eine Richtung zu entwickeln, in der das Treffen auf außerirdisches Leben nicht allzu weit hergeholt zu sein scheint. Und was, wenn diese nicht als Personen anerkannt würden, nur weil sie beispielsweise bereits den Punkt einer Singularität in ihrer Entwicklung hinter sich haben und damit nicht unbedingt im klassischen Sinne biologisch leben? Dann hätten wir hier wohl ein Problem…. und das nicht nur, weil sich Schwierigkeiten bei der Frage nach Rechteinhabern hinsichtlich der Vermarktung außerirdischer Musik ergäben.

Und so kämpfe ich mich weiter durch das Buch und bemerke dabei immer wieder, dass ich einige Dinge selbst neu überdenken muss, wenn ich mit den Ideen von Charles Stross mithalten will. Oh, und habe ich erwähnt, dass Charles das Buch als Ebook in verschiedenen Formaten in Abstimmung mit seinem Publisher auf seinem Blog kostenlos als (englischen) Download anbietet?

Aber natürlich interessiert mich auch, was ihr zurzeit lest und wie es euch gefällt. Ich freue mich über eure Kommentare!

[Rezension] Drúdir von Swantje Niemann

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Titel: Drúdir
AutorIn: Swantje Niemann
Verlag: Edition Roter Drache
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2017
ISBN: 978-3946425366
Format: Broschur (392 Seiten)
Preis: 16,95€

zum Buch

Worum geht es?

Ein neues Zeitalter ist angebrochen – aber die dunkle Magie der Vergangenheit kehrt zurück!
Dampfkraft und die genialen Maschinen der zwergischen Erfinder haben die Welt unwiderruflich verändert. Magie gilt als Relikt einer Zeit, in der Zauberei und Religion Werkzeuge der Unterdrückung waren. Deshalb ist es dem jungen Uhrmacher Drúdir nahezu unmöglich, seine magische Begabung zu akzeptieren.
Doch als sein bester Freund ermordet wird, kann er nicht tatenlos bleiben. Die Suche nach der Wahrheit führt ihn in die unterirdische Seestadt Schwarzspiegel. Dort begegnet er unerwarteten Verbündeten und entdeckt, wie fragil der innere Frieden der neugegründeten Zwergenrepublik ist.
Seine Ermittlungen bringen ihn auf die Spur einer Verschwörung, die die Freiheit aller bedroht. Drúdir muss in eine Welt der Geheimnisse, Intrigen und Gewalt eintauchen, um das Unheil abzuwenden…(Quelle)

Meine Meinung zum Buch

Normalerweise folgt an dieser Stelle zunächst eine Rezension, die sich dem Fazit über verschiedene subjektive Wahrnehmungen einiger eher technischer Aspekte zu nähern versucht. Schreibstil, Lesefluss, Didaktik, Humor,… so etwas in der Art. Wie gesagt: Normalerweise. Aber bei Drúdir handelt es sich um alles andere als ein normales Buch. Um es daher direkt vorwegzunehmen: Wir haben gerade Mai und Drúdir ist für mich das Buch des Jahres 2017. Da kann nicht mehr viel kommen.

Swantje Niemann ist mit ihrem Debutroman etwas gelungen, woran andere bereits gescheitert sind: Sie hat einen vollkommen authentischen Genre-Mix zustande gebracht, der Tiefgang besitzt und lebendigen Humor beweist. Drúdir ist für mich das erste Exemplar der Gattung High-Fantasy-Steampunk-Polit-Verschwörungs-Wer-Ist-Der-Mörder-Thriller und wer sich nun fragt, wie allein die Genres Steampunk und Fantasy (denn das impliziert Magie) zusammenpassen, dem gebe ich noch eins drauf: Eine Prise Romantik unterstreicht zudem noch den Tiefgang der Charakterentwicklung. Zeitlich spielt die Handlung mitten in der ersten industriellen Revolution. Die Dampfmaschine ist am Start, das erste Maschinenzeitalter bricht an und Magier werden nicht nur nicht mehr benötigt – immerhin verrichten Maschinen nicht nur (mehr oder weniger) zuverlässig Arbeit, zu der es davor des Einsatzes von Magie bedurfte – nein, sie sind i.d.R. auch weniger korrupt und zetteln nur selten Kriege an.

Drúdir, der Namensgeber dieses Buches, ist ein Zwerg. Aber nicht irgendeiner, sondern einer mit besonderen Fähigkeiten. Während die Magie aufgrund besagter Kriege inzwischen geächtet wird, unterdrückt er diese und versucht beruflich als – nennen wir es einmal: Feinmechaniker – Fuß zu fassen. Seine Ausbildung genießt er bei einem Uhrenmacher, der zu Beginn der Geschichte brutal ins Jenseits befördert wird. Drúdir hat er jedoch viel bedeutet und so nimmt er die Spur des Mörders auf – nicht ohne sich dazu dann halt eben doch besagter Fähigkeiten zu bedienen. Denn zu diesem Zweck erscheinen sie enorm praktisch.

Auf 392 Seiten folgt nun eine Geschichte, die eine stringente Struktur aufweist und einen so durch die Kapitel fliegen lässt. Was mich besonders verblüfft hat: Swantje Niemann verfügt ihrem jungen Alter zum Trotz über einen enormen Wortschatz. Ihr Repertoire an Redewendungen und der geschickte Einsatz genretypischen Vokabulars (immerhin stellt Steampunk hier die Basis der Geschichte) haben mich immer wieder schmunzeln lassen. Nicht zuletzt, weil dabei der Humor nicht zu kurz kommt! Wem die Werke Tolkiens zu komplex sind, und der Humor von Douglas Adams oder Terry Pratchett zu skuril, der findet in Drúdir einen Fantasyroman, in dem alles wohl ausbalanciert ist.

Ebenfalls mangelt es nicht an Nebencharakteren, die alle für sich genommen ebenfalls großartig entwickelt werden. Da wäre z.B. das ungleiche Drasirai-Paar Phandrael und Kyrai – aus heutiger Sicht würde man in ihnen Assassine oder Kopfgeldjäger sehen). Er: Draufgängerisch, lebensmüde (aber nicht des Lebens müde), keck, zugleich aber immer ehrlich. Sie: Geheimnisvoll, verbittert, zielstrebig und geleitet von einer unbändigen Kraft. Wenn die beiden in Kampfhandlungen verstrickt waren, musste ich nicht selten an Samurai Champloo denken. Insbesondere Phandrael hat mich dabei stark an Mugen erinnert – und entsprechend hatte ich beim Lesen von Drúdir ständig dessen deutsche Synchronstimme im Kopf: David Nathan.

Einem Fantasyroman nicht untypisch wird man beim Lesen mit einer großen Zahl an Charakteren konfrontiert. Darunter Zwerge, Elfen, Nymphen (und nein… nicht solche Nymphen – obwohl die sich nun einmal aufdrängende Verwechslung im Buch thematisiert wird) und Automaten. Letztere stellt die ultimative Brücke zwischen den Genres her und mehr sag ich dazu nicht.

Fazit

Mit mal wieder viel zu vielen Worten habe ich versucht, einen kleinen Blick in diesen großartigen Roman zu erlauben und kann jedem, der sich auch nur ansatzweise für Magie begeistern lässt, uneingeschränkt empfehlen, Drúdir zu lesen – und sich dabei überraschen zu lassen. Insbesondere die Magie in diesem Buch erhält durch Swantje Niemann eine ganz neue Richtung. Und das verdankt sie nicht nur dem Zeitgeist der Industrialisierung, der für den Fortschritt der Geschichte taktangebend ist, sondern auch den detailliert gezeichneten Charakteren, die dem Buch ein ganz besonderes Leben einhauchen. Dafür kann es nur fünf von fünf Sternen geben!

P.S.

Ich hatte die Gelegenheit, Drúdir als Ebook in einer von Swantje Niemann selbst verlegten Version zu lesen. Inzwischen hat sie aber einen Verlagsvertrag und eben diese Version aus den Onlineshops entfernt. Wer es also nicht geschafft haben sollte, noch eines dieser Exemplare zu ergattern, der darf sich nun auf den 01.10.2017 freuen! Denn dann wird das Buch unter dem Titel Drúdir – Dampf und Magie erscheinen.

[Rezension] Unsterblich von Jens Lubbadeh

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Titel: Unsterblich
AutorIn: Jens Lubbadeh
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: Juli 2016
ISBN: 978-3-453-31731-4
Format: Broschur (448 Seiten)
Preis: 14,99€

zum Buch
Leseprobe

Worum geht es?

DIESE ZUKUNFT IST NUR EINEN KLICK ENTFERNT
Der Traum der Menschheit vom ewigen Leben ist Wirklichkeit geworden: Dank Virtual-Reality-Implantaten können die Menschen als perfekte Kopien für immer weiterleben. Auch Marlene Dietrich ist als Star wiederauferstanden und wird weltweit gefeiert – bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Eigentlich unmöglich! Für den Versicherungsagenten Benjamin Kari wird aus der Suche nach ihrem digitalen Klon ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel. Quelle

Meine Meinung zum Buch

Ich habe „Unsterblich“ vom Heyne Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen und war gleich angetan vom Coverdesign. Autorname, Buchtitel und Kategorie sind als Relief in goldener Farbe fühlbar auf das Cover gedruckt, den Rest ziert ein stilisiertes Frauenbild. Wer den Klappentext liest und sich ein wenig mit der Filmbranche auskennt, erkennt hier sofort Marlene Dietrich. Das Design empfand ich insbesondere deshalb so spannend, da sich die femininen Züge der bekannten Schauspielerin darin sofort wiedererkennen ließen, auf der anderen Seite aber wiederum sich ein eher künstlicher Eindruck aufdrängt. Warum das so ist, wird bereits zu Beginn der Geschichte deutlich: Es geht um “perfekte” Kopien von Menschen, die in der virtuellen Realität weiterleben – daher auch der Titel des Buches: “Unsterblich”. Inwiefern hier die gesamte Menschheit an der virtuellen Wiederauferstehung Verstorbener partizipieren kann (wo in unserer Zeit doch zum Genuss der VR zumeist klobige Brillen zum Einsatz kommen und der Einsatz sich i.d.R. auf die eigenen vier Wände beschränkt), wollte sich mir zunächst nicht erschließen.

Allerdings spielt die Handlung dieses Romans auch im Jahr 2044 und die Entwicklung ist anscheinend deutlich vorangeschritten. Wer Bücher wie z.B. Daemon und Darknet von Daniel Suarez kennt oder Blackout von Andreas Eschbach, bekommt sehr schnell eine gute Vorstellung davon, wie das funktioniert. Zum Glück muss ich aber an dieser Stelle auch nicht weiter spoilern, denn für die Geschichte ist der technologische Aspekt (zumindest bis etwa zur Hälfte des Buches) vollkommen irrelevant. Nehmen wir einfach einmal hin, dass es eine Virtuelle Realität gibt – und alle nehmen sie wahr. Und zwar IN der Realität. So viel dazu. Der Roman konzentriert sich dabei weniger auf die Science Fiction, sondern versucht vielmehr einen guten Krimi zu inszenieren. Und dabei zieht Lubbadeh in seinem Debutroman alle Register: Benjamin Kari, ein schwächlich wirkender Bürokrat als Protagonist wird unversehens in eine Geschichte gezogen, die unmöglich erscheint und doch weltweite Folgen mit sich ziehen könnte. Eine Verschwörung bis in die obersten Ränge stellt den Plot und treibt Kari in eine Hetzjagd, bei der er sich verliebt, doch nicht verliebt, vielleicht verliebt, verletzt wird, möglicherweise stirbt (oder doch nicht), auf Indianer trifft, mit Raketen fliegt, dem Geheimnis der Virtual Reality auf die Spur kommt, den Mordfall um Marlene Dietrich löst (ist es überhaupt ein Mord… immerhin ist sie schon seit 1992 tot) und dabei ganz nebenbei auch noch der Hörigkeit seinem Arbeitgeber gegenüber entsagt: DEM Konzern, der in der engsten nur möglichen Zusammenarbeit mit dem Erfinder der VR kooperiert, um wiederauferstandene virtuelle Klone zu “zertifizieren”.

Kein Witz: Denn das ist eigentlich Benjamin Karis Job. Er zertifiziert virtuelle Klone. Oder anders gesagt: Er prüft, ob sie im wesentlichen den Originalen so gut entsprechen, dass der Rest der Menschheit sie als echt akzeptiert. Fast ein wenig wie ein Turing-Test. Im Prinzip ist der Roman rasant geschrieben und ab der zweiten Hälfte bin ich auch nahezu über die Seiten geflogen. Allerdings muss ich gleichzeitig zugeben, dass der Start extrem schwer für mich war. Lubbadeh skizziert eine Welt, die zunächst recht fremd auf mich wirkte. Und da es zunächst an Erklärungen mangelt und die Geschichte vorauszusetzen scheint, dass der Leser die grundlegenden Gesetze dieser Welt kennt und akzeptiert, hatte ich echte Probleme damit, voranzukommen. Mehrmals dachte ich so bei mir: “So ein Blödsinn.” Da mir zudem auch noch die Zeit fehlte, um dennoch umfangreichere Passagen als nur ein paar Seiten am Stück zu lesen, dauerte es für meine Verhältnisse sehr lang, bis mich das Buch dann doch endlich gepackt hat.

Der Plot ist nämlich nicht von schlechten Eltern! Jens Lubbadeh hat für ein Erstlingswerk – aus meiner Sicht – einen großartigen Roman hingelegt, der es geschickt schafft, aus einer vom Prinzip her dem Kriminal-Genre entsprungenem Handlungsfaden eine Heldengeschichte zu machen, der natürlich auch der tragische Hintergrund nicht fehlen darf. Während diese Tragik innerhalb der fortschreitenden Geschichte zwar einmal zu viel auf die Tränendrüse zu drücken versucht – soviel Kritik sei erlaubt – mündet sie aber zum Schluss in einem Knaller, den man hätte vorhersehen können (wenn einen der ansonsten so geschickt gewobene Handlungsverlauf nicht davon abgelenkt hätte).

Fazit

Wer Spaß am Wer-Ist-Der-Mörder-Sci-Fi-Helden-Genre hat und sich für die gesellschaftlichen Auswirkungen einer allgegenwärtigen, virtuellen Realität interessiert, dem empfehle ich „Unsterblich“ uneingeschränkt. In diesem Sinne verzeihe ich dem Buch ein paar kleinere Schwächen und gebe ihm für das edle, minimalistische Coverdesign, die kreative Geschichte, dem spannenden Genremix und einem – wenn auch nicht ganz aufgelösten – Ende viereinhalb von fünf Sternen!

Skala 4,5 Sterne

[Rezension] Am Ende aller Zeiten von Adrian J Walker

AmEndeAllerZeiten

Titel: Am Ende aller Zeiten
AutorIn: Adrian J. Walker
Verlag: Fischer TOR
Erscheinungsdatum: August 2016
ISBN: 978-3596037049
Format: Broschur (432 Seiten)
Preis: 14,99€

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Leseprobe (PDF)

 

Worum geht’s

Edgar Hill ist Mitte dreißig, und er hat sein Leben gründlich satt. Unzufrieden mit sich und seinem Alltag in Schottland als Angestellter, Familienvater und Eigenheimbesitzer, fragt er sich vor allem eins: Hat das alles irgendwann einmal ein Ende? Er ahnt nicht, dass sich die Katastrophe bereits anbahnt. Als das Ende kommt, kommt es von oben: Ein dramatischer Asteroidenschauer verwüstet die Britischen Inseln. Das Chaos ist gigantisch, die Katastrophe total. Ganze Städte werden ausgelöscht. Straßen, das Internet, die Zivilisation selbst gehören plötzlich der Vergangenheit an. England liegt in Schutt und Asche. Ist dies der Weltuntergang? (Quelle)

Meine Meinung

Am Ende aller Zeiten hat mich zunächst einmal sofort angesprochen. Ich mochte das tolle Cover-Design, das die Optik eines Tagebuches hat inkl. aufgerautem Lesezeichenband. Hier hat sich der Designer wirklich Mühe gegeben! Auch hatte ich sofort das Gefühl, dass es sich dabei um ein Buch handeln würde, dass mich mitfiebern lässt!

Dann allerdings stellte sich heraus, dass „Am Ende aller Zeiten“ meiner Meinung nach versucht, etwas zu sein, was es nicht ist. Das beginnt bereits damit, dass der Klappentext nicht so richtig zum Beginn der Geschichte passen will. Erwartet habe ich ein postapokalyptisches Szenario, in dem der Protagonist 500 Meilen weit laufen muss, um zu seiner Familie zu gelangen. Ich spürte seine Verzweiflung bereits hier und brannte darauf von seinen Erlebnissen zu lesen und von der Geschichte mitgerissen zu werden! Tatsächlich aber beginnt der Roman vor der Apokalypse und für einen kurzen Moment erscheint noch alles normal. Dann aber überschlagen sich die Ereignisse…die aber noch immer nicht zu der erwarteten Handlung führen. Auf dem Weg dorthin (und es dauert wirklich ein Weilchen), bricht nicht nur in verblüffend kurzer Zeit die gesamte Infrastruktur zusammen, nein auch die Gesellschaft zerfällt in einem Maße, wie man es erst von The Walking Dead Staffel 2 kennt. Warum gefiel mir das nicht, obwohl es doch nach Hollywood per excellence klingt? Nun,… genau deswegen! Es erfüllte nicht meine Erwartungshaltung und darüber hinaus bin ich im Allgemeinen kein Freund davon, wenn Autoren zu stark voneinander “abschauen”.

So haben sich mir beim Lesen dieses Buches laufend Vergleiche zu The Walking Dead aufgedrängt. Doch während diese Serie sehr explizit wird (wer über eine flache Story hinwegsehen kann, fühlt sich vielleicht wenigstens durch die fantastischen Effekte angesprochen), hält sich „Am Ende aller Zeiten“ deutlich zurück. Dadurch entstanden bei mir grundsätzlich erst einmal weder Emotionen ob gewaltiger “Effekte”, noch aufgrund der Geschichte. Wer also glaubt, damit ein Buch in den Händen zu halten, das einem erschreckend den postapokalyptischen Zerfall der Gesellschaft vor Augen führt, der wird  enttäuscht sein. Dazu wirken die Handlungen zu oberflächlich, die Szenen zu sehr aneinandergereiht und der Wandel der menschlichen Zivilisation, insbesondere nach so einem Ereignis zu wenig authentisch. Es geht einfach zu schnell.

Aller Kritik zum Trotz, entwickelte sich „Am Ende aller Zeiten“ für mich dennoch zum Page Turner. Insbesondere die Rolle des Protagonisten als Vater hat mich angesprochen. Seine Ängste, seine Entwicklung und seine Beziehung besonders zu seiner Tochter Alice haben mich berührt. Sehr sogar. Ähnlich wie in der Hollywood Verfilmung von Krieg der Welten mit Tom Cruise in der Hauptrolle setzt dieses Buch den Fokus nicht (wirklich) auf die Katastrophe, die zu Beginn stattfindet, sondern stellt mit Edgar Hill einen Vater ins Zentrum, dessen Welt von einem Moment zum anderen zerbricht und vor die größte Herausforderung seines Lebens gestellt wird: Zu dem Menschen zu werden, der er eigentlich sein wollte und nun sein muss.

Auf dem Weg begegnet Edgar einer Menge anderer Charaktere, von denen einige ihn sogar den größten Teil des Buches auf seinem Weg begleiten. Die Möglichkeiten, die sich hieraus ergäben, schöpft Walker allerdings meiner Meinung nach nicht voll aus und darüber hinaus nimmt er auch in diesem Zusammenhang viele “Abkürzungen”, so dass sich die Handlung nicht wirklich frei entfalten kann. Schade.

Fazit

Die Idee ist bestenfalls solide, dafür aber weit entfernt davon, etwas Neues zu erzählen. Zu viele Passagen wirken wie aus der Retorte. Einzig die Selbstzweifel des Protagonisten in seiner Rolle als jemand, dem man vermutlich niemals eine „Dad of the Year“ – Medaille verleihen würde, wirken authentisch und lassen Emotionen aufkommen. Für ein Buch dieses Genres genügt das meiner Meinung nach nicht. Mehr als knappe 3 Sterne bin ich nicht bereit zu vergeben. Und das auch nur, weil mich das Dosifon tief berührt hat.